04.12.2019 - 00:01 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Posaunenchor Erbendorf: Kein bisschen staad in der "staaden Zeit"

"Adventstür-Geschichte" Nummer 4: Chorleiter Jochen Neumann öffnet die Eingangstür zum Saal des evangelischen Gemeindehauses. Hier probt der Evangelische Posaunenchor Erbendorf.

Im Proberaum des evangelischen Gemeindehauses Erbendorf erklingen die Posaunen momentan besonders intensiv. Nicht, weil dort die Engel endgültig mit eingezogen sind. Chorleiter Jochen Neumann (vorn an der Tür) muss darauf drängen, denn gerade in der Adventszeit ist die Posaunenmusik sehr gefragt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Hinter der Eingangstür zum Saal des evangelischen Gemeindehauses ertönen lautstark die Posaunen. Wer anklopft, muss kräftiger ausholen. Die Musiker des Evangelischen Posaunenchors sind so in ihre Proben sehr vertieft, dass sie nicht hören, wenn jemand Einlass möchte. Gerade jetzt ist's für den Chor stressig. In der "staaden Zeit" sind die wohlklingenden Posaunen, die immer ein wenig an Engelsgesänge erinnern, ausgesprochen gefragt. Kein Wunder: Ein Posaunenchor, zum Beispiel auf einem Weihnachtsmarkt, lockt doch geradezu die Engelscharen vom Himmel herab und ein wenig näher zu den Menschen.

Das Ensemble hat viel zu tun in diesen Tagen. Allein am ersten Adventsonntag waren die Musiker dreimal im Einsatz. "Erst ein Gottesdienst, am Abend eine Nikolausfeier und ein Adventskonzert im Stadtpark", erzählt Chorleiter Jochen Neumann. So werde es auch weitergehen bis zum Heiligen Abend. "Und noch mal am Silvesterabend." Wenn es auch der Name vermuten lässt: Wo der Chor spielt, ist nicht ausschließlich evangelischer Natur. Der Chorleiter ist katholisch, ebenso einige Mitglieder. Der Posaunenchor begleitet auch katholische Gottesdienste.

Nächstes Jahr wird die Musikgruppe 70 Jahre alt. Die Gründung geht freilich auf einen evangelischen Pfarrer, auf Walter Krauß, zurück. Anfangs, weiß Neumann, "wurde in der Pfarrerwohnung geprobt". In den 60er Jahren sind Frauen dazugekommen, der Chor wuchs auf 30 Mitglieder an. Gerade in der Adventszeit macht sich solch ein Posaunenjubel mit diesen wohlklingenden Blasinstrumenten ja ausgesprochen gut. Aber natürlich sind die Musiker nicht nur Weihnachten unterwegs. Mit Neumann als Chorleiter ist das Repertoire an Musikstücken ausgewogen. Er arrangiert die Musikstücke aus dem katholischen Gebetsbuch, damit sie passen und gespielt werden können. Für den Posaunenchor sei beispielsweise das "Segne du Maria" gar nicht fremd. "Selbst die Marienprozession der katholischen Pfarrei wird in Erbendorf seit Jahren vom Posaunenchor aufgeführt", erklärt Neumann. Und ab und zu legt der Chorleiter seinen Musikern auch eigens geschriebene Kompositionen aufs Notenpult. "Das reicht von Intraden und Chorälen bis zu Polkas und Märschen", verrät der Erbendorfer, der seit 2007 den Chor leitet. Er dirigiert nicht nur, sondern spielt an der Trompete die erste Stimme. Und, wie er sagt, wenn's hochkommt, auch mal ein paar Überstimmen. Komme es im Tenor- oder Bassregister zu Ausfällen, greife er eben zu Posaune oder Tuba.

Jeden Freitag ist Chorprobe im evangelischen Gemeindehaus, gleich neben der Martin-Luther-Kirche. Nach der intensiven Adventszeit haben sich alle eine kleine Winterpause redlich verdient. "Aber dann geht's auch schon wieder weiter", denkt Neumann dennoch heute schon über die Jahreswende hinaus. "Ostern steht auch immer recht schnell vor der Tür", sagt er. Bis zum Heiligen Abend erzählen wir jeden Tag eine neue von 24 "Adventstür-Geschichten".

Macht hoch die Tür ...:

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ihre Welt. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamten Oberpfalz.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.