14.12.2019 - 00:01 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

In der "Punschwerkstatt"

Weihnachten ist Glühweinzeit. In der "Punschwerkstatt" der Steinwald-Brennerei Schraml herrscht dann Hochbetrieb,

Gregor Schraml in der Abfüllanlage. Übers Band laufen Flaschen, die mit Punsch befüllt werden.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

In der Abfüllanlage des Erbendorfer Betriebs liegt ein leichter Duft nach Weihnachtsgewürzen in der Luft. Übers Band laufen dunkle Flaschen. Am Ende werden sie Etiketten mit Aufdrucken wie "Schneeschmelzer" oder "Heidelbär" tragen. Die Namen sind neu, die Glühwein- und Punschtradition im Hause Schraml ist es nicht. "Mein Vater hat schon Anfang der 80er Jahre damit begonnen", erzählt Firmenchef Gregor Schraml.

Der Diplom-Ingenieur für Lebensmitteltechnologie führt den 200 Jahre alten Betrieb seit 2012 alleine. Das Geschäft mit den Glühwein- und Punschspezialitäten habe "vor ungefähr zehn Jahren so richtig an Fahrt aufgenommen", sagt er. Zunächst wurde in Erbendorf nur ein alkoholfreier "Kinderpunsch" hergestellt, der "Glühwichtel". Ende der 1980er Jahre stieg Schraml in die Produktion alkoholhaltiger Varianten ein. Sechs davon gibt es inzwischen, vor drei Jahren bekamen sie ihre neuen Namen. "Wir haben sie personalisiert", nennt Schraml das.

"Glühwein war früher ein sehr billiges Produkt", sagt der Firmenchef. "Und das schmeckt man dann auch." Der Massenware setzen die Oberpfälzer ein "handwerklich hergestelltes Produkt" entgegen: "Die Menschen wollen kein Kopf- oder Bauchweh mehr haben, wenn sie Glühwein getrunken haben", erklärt Schraml den Erfolg seiner Punschwerkstatt. "Dafür sind sie auch bereit, zwei Euro mehr für die Flasche zu bezahlen. Sie möchten weniger, dafür aber wirklich etwas Gutes trinken." Deshalb komme nur Qualitätswein von österreichischen und italienischen Winzern, die er gut kenne, in die Flaschen. Das typische weihnachtliche Aroma entsteht durch einen selbst angesetzten alkoholischen Auszug von Gewürzen. Zucker wird nirgends zugesetzt.

Die Tage, in denen Gregor Schramls Großvater noch selber Kräuter im Steinwald sammeln ging, sind zwar vorbei. Geblieben ist indes sein "Urrezept" für den kräftig aromatisierten Punsch, der jetzt unter dem Namen "Dauerglüher" vermarktet wird. "Der stammt noch von einem Schlachtschiff." Den Oberpfälzer hatte es im Ersten Weltkrieg nämlich zur Marine verschlagen. Hier schließt sich der Kreis: Inzwischen gibt es Glühwein aus dem Steinwald sogar auf einem Weihnachtsmarkt in Bremen.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.