Erste Konsequenzen nach Skandal in Tierlabor

Fixierte Affen, Katzen in Käfigen und blutende Hunde: Durch die Undercover-Recherche von Tierschützern wurden schwere Misshandlungen an Tieren in einem Labor im Kreis Harburg (Niedersachsen) aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Über vier Monate hatte sich ein Mitglied des Vereins "Soko Tierschutz" in einem privaten Tierversuchslabor im Landkreis Harburg eingeschleust. Dabei kamen erschütternde Bilder zum Vorschein.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Über vier Monate hat ein Mitglied des Vereins "Soko Tierschutz" als Undercover-Tierpfleger undercover in einer privaten Einrichtung für Tierversuche gearbeitet. Dabei machte er im "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) im Landkreis Harburg erschreckende Video- und Bildaufnahmen. In dem Tierversuchs-Labor sollen Affen, Katzen und Hunde schwer misshandelt worden sein.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat nun mit dem Landkreis Harburg die Einrichtung in Mienenbüttel kontrolliert. Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks ist das Landesamt für die Erlaubnis von Tierversuchen zuständig. Bis zum Abschluss der Prüfung werden laut LAVES keine neuen Genehmigungen für Tierversuche an das Labor vergeben. Ebenso berichteten über den Tierversuchs-Skandal die "Süddeutsche Zeitung" und das ARD-Magazin FAKT.

Lesen Sie hier den Bericht des Norddeutschen Rundfunks

In der Einrichtung fand das LAVES eigenen Angaben zufolge etwa 250 Affen, 200 Hunde und 50 Katzen. Die Tiere seien "in einem nicht zu beanstandenden Allgemeinzustand" gewesen. Das Landesamt prüft zudem die Versuchsabläufe. Hier soll kontrolliert werden, ob die Versuche im Sinne der behördlichen Anmeldung und Genehmigung durchgeführt werden. So wurden bereits einige Abweichungen zwischen den Inhalten der Genehmigungen und den tatsächlichen Gegebenheiten in dem Labor festgestellt. Unter anderem sei es nicht zugelassen gewesen, die Affen mit Klebeband zu fixieren.

Der Verein "Soko Tierschutz" erhebt mehrere Vorwürfe. Zum einen seien die Käfige der Tiere teilweise zu klein gewesen. Die Tiere hätten kaum Spielzeug noch Beschäftigungsmöglichkeiten gehabt. Hunde würden bereits Vergiftungserscheinungen zeigen. Sie sollen beispielsweise aus dem After bluten und werden nicht von ihrem Leid erlöst. Der Verein hat bei der örtlichen Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Diese ermittelt nun in diesem Fall. Zum anderen erklärt der Tierschutzverein, dass in der Versuchsanstalt Tiere gequält würden, ohne dass dies einen wissenschaftlichen Nutzen habe.

Über vier Monate hatte sich ein Mitglied des Vereins "Soko Tierschutz" in einem privaten Tierversuchslabor im Landkreis Harburg eingeschleust. Dabei kamen erschütternde Bilder zum Vorschein.

Nach den Kontrollen des LAVES bemängelt die Organisation des Weiteren: "Es ist schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde jetzt zu kleine Käfige erkennt, die dort wohl schon seit Jahren hängen. Besonders empörend finden wir, dass das völlige Fehlen von rechtlich vorgeschriebenem Beschäftigungsmaterial bei den Affen damit entschuldigt wird, dass die Tiere ja schließlich die Vorhängeschlösser der Käfige zum Spielen hätten. Das lässt an den Kompetenzen und Einstellungen der verantwortlichen Kontrolleure zweifeln. Wir fordern keine Scheinlösungen, sondern einen sofortigen Schutz der Tiere, und das geht nur durch die Schließung des Tierlabors", erklärt Friedrich Mülln in einer Pressemitteilung der "Soko Tierschutz"

Kontrolleure des Landkreises Harburg ist für die Kontrollen der Versuchstierhaltung zuständig. Die Behörde kritisierte die Größe der Käfige. Seit 2015 hätten die Verantwortlichen die Tierversuchs-Anstalt bereits neun Mal überprüft, in den meisten Fällen unangekündigt. In dieser Zeit seien keine gravierenden Verstöße festgestellt worden. Rainer Beckedorf, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, moniert wiederum gegenüber den Tierschützern, dass diese ihre Informationen zu spät an die Behörden weitergegeben hätten. So seien die Verstöße demnach bereits Ende März bekannt gewesen, der Landkreis selbst erst Anfang Oktober informiert worden.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung der "Soko Tierschutz"

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.