20.01.2020 - 16:18 Uhr
FalkenbergDeutschland & Welt

Von Bauern, Pfarrern und Schönheitsköniginnen

"NowWell Cousins" mischen den Brauhaussaal auf der Burg Falkenberg auf

Unbeschwert und lustig wilderten die NouWell Cousins in den Gefilden von Jazz, Bakansound, Klassik und Volksmusik. .
von Helmut KunzProfil
Ganz in der Tradition der Bierösl Blosn: Die "Beauty Queen aus Oberschweinbach-West".

Wer den Auftritt der "NouWell Cousins" am Samstagabend im ausverkauften Brauhaussaal auf der Burg Falkenberg richtig genießen wollte, sollte schon sattelfest in boarischer Mundart sein oder wenigstens wissen was "a Boatzn" ist. Eine verschwitzte und versiffte Münchner Eckkneipe, wo man zum Rauchen vor die Tür tritt und wo sich gewöhnlich der Bierdimpfl aufhält. Diese Kneipe war nämlich der Schlüssel zu einigen ganz tollen Liedern der musikalischen Viererbande, die beim Olaf-Wirt ihren Stammtisch hat.

Das Münchner „Johanniscafe“ zog sich wie ein roter Faden durchs Programm. Beispiel: Die mit Promi-Fotos und Sprüchen zugekleisterte Wand hinterm Well-Stammtisch, wo an einer Stelle, eingerahmt zwischen Josef-Ratzinger-Kalenderbild und Pamela-Anderson-Poster der Berthold-Brecht-Spruch "Gegen Verführung" hängt - die Lebensphilosophie ihres Lieblingswirts. Natürlich hatten die Wells sofort die Idee, den Text zur Grundlage eines gelungenen Songs zu machen, unterlegt mit einer Melodie von Philippe Loli.

Die "NouWell Cousins" zauberten in Falkenberg die musikalische „Haute Cuisine“ auf die Bühne, ein spritziges Crossover der hohe Klangkunst. Was leider leicht übertrieben ist. Denn im „Brauhaussaal“ gibt es überhaupt keine Bühne. Die vier jungen Künstler musizierten in Augenhöhe mit dem Publikum. Und wer weiter hinten saß, musste sich ganz schön lang machen.

Wie kaum eine andere Combo hat der Biermösl- Blosn-Nachwuchs bei seinem selbst gestrickten Material die komplette Bandbreite und Ausdrucksmöglichkeit von Stilmitteln ausgelotet. Unbeschwert und lustig wilderten die vier Künstler in den Gefilden von Jazz, Bakansound, Klassik und Volksmusik. Und aufgrund ihrer musikalischen Vorbildung hatten Maria Well (Cello), Maresa Well (Bratsche), Matthias Well (Violine) und Maximilian Well (Akkordeon) natürlich die Möglichkeit, diesen Genres voller Spontanität und Raffinesse zu begegnen.

Die männlichen Ensemble-Mitglieder bildeten zweifellos den bescheidenen Part in der Gruppe. Das freche Mundwerk oblag den Damen, die ihren Spaß sofort aufs Publikum übertrugen und die einzelnen Songs mit pointierten Ansagen ankündigten. Platz für aktuelle Bezüge zu Falkenberg und zur Interaktion mit den Zuhörern fanden die Bühnennarrischen immer. Das machte ihr Programm, ihre Freude am Musizieren und ihr viel beklatschter Esprit nach dem Vorbild von Michael und Stofferl, so kontrastreich und erfrischend.

„Wodka“, „Tinder“, „Fado“: Komische Titel, aber tolle Songs. Die oft pfiffigen Texte reichten von nachdenklich bis lustig, wobei neben Gesellschaftskritik ganz klar die Gaudi im Vordergrund stand. Es ging banale Dinge, wie eine Schlafzimmerprügelei zwischen Bauer und Pfarrer oder um die dralle "Beauty Queen aus Oberschweinbach-West". Manche Lieder wurden fast schon mit kammermusikalischer Souveränität interpretiert. Familienbedingt steht die bunte Gruppe schon seit Kindestagen auf der Bühne. Zum Beispiel mit „Sepp Depp Hennadreck“ oder „Zing Zang Zing“. Die Musikerfamilie Well hat ihnen Talent und Bühnenlust in Wiege gelegt.

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