Auf dem Meer gelten eigene Gesetze. Eines davon besagt, dass ein Kapitän zur Seenotrettung verpflichtet ist, wenn er über einen Notfall informiert wird. Die Situation, mit der die Besatzung des Schiffes "Aquarius" an diesem Wochenende zu kämpfen hatte, könnte die Seenotrettung aber bedrohen.
Davor warnt Aloys Vimard von der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die zusammen mit SOS Méditerranée auf der "Aquarius" Flüchtlinge retten. Erneut findet die Besatzung, die am Freitag 141 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet hat, keinen Hafen, den sie ansteuern und wo die Flüchtlinge von Bord gehen dürfen. Erst im Juni war das Schiff mit 600 Geretteten in derselben Situation.
Das Beispiel der "Aquarius" könnte manche Kapitäne künftig davon abhalten, Schiffbrüchige im Mittelmeer auf ihr Boot aufzunehmen. Wenn die Besatzung danach tagelang nach einem Hafen suchen muss, in dem die Flüchtlinge an Land gehen dürfen, werden sie sich eine Rettungsaktion gründlich überlegen.
Dabei war es im Zweiten Weltkrieg gang und gäbe, in Not geratene Feinde aus dem Wasser zu retten. So wie Erwin Ernest Barnes. Der Brite wurde mit seinem Flugzeug im Frühjahr 1945 abgeschossen und fiel in die Wesermündung. Deutsche fanden ihn und seine Crew, zogen sie an Bord, brachten sie an Land und in ein Krankenhaus.
In Europa herrscht heute kein Krieg. Dennoch verhalten sich Länder wie Italien, die sich partout weigern, die "Aquarius" anlegen zu lassen, unmenschlicher und unbarmherziger als vor über 70 Jahren.













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