Fast vollzählig ist Haindling am Samstagabend in der "Half Moon Bar" des Festivals zur Stelle. Die Band um Hans-Jürgen Buchner, die schon rund 20 Gastspiele bei Tollwood gab, gehört nicht nur zu den geladenen Party-Gästen. Sie tritt auch selber in Aktion: Buchner setzt sich ans Piano und singt ein Ständchen, gleich danach gibt's ein paar viel umjubelte Takte aus dem großen Haindling-Repertoire.
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht aus, was sich viele im Zelt denken: Wer hätte das gedacht?! Vor 30 Jahren stark als alternative Fete für Birkenstock tragende Vegetarier verschrien, hat es Tollwood längst geschafft, sich als eines der schönsten Festivals in Bayern zu etablieren. Neben Kunst, vor allem Musik und Theater auf hohem Niveau, transportierte es immer auch eine Botschaft: zunächst gegen Atomkraft, heute für kulturelle Vielfalt im Lande. Auch Alt-OB Christian Ude ist es ein Anliegen, diese Leistungen zu betonen. Er verpackt seine Rückblende in einen kabarettistischen Vortrag und lobt dabei nicht nur die Tatsache, dass Tollwood schon zu Zeiten die Einführung von Mehrweggeschirr protegierte, in denen politisch noch niemand dahinter stand. Apropos Tollwood: Woher der Name? Was er genau besagen soll, entzieht sich der Kenntnis des Laudators. Ein verunglückter Anglizismus? Eine Anspielung auf das Waldsterben, das sich vor 30 Jahren in aller Munde befand? Oder doch noch die Aufgabe für einen ambitionierten Sprachwissenschaftler und dessen Doktorarbeit? Egal: Der Name ist zum Inbegriff für Kulturgenuss, ökologisches Engagement und Lebensfreude ohne nationale Grenzen geworden. Tollwood ist eine Marke in der Kunst-Szene des Landes. Persönlicher Dank muss bei dieser Gelegenheit auch sein: Ude richtet ihn an Tollwood-Geschäftsführerin Rita Rottenwallner, die das Festival alljährlich mit viel Elan und Geschick auf die Beine stellt, selbst aber gerne im Hintergrund bleibt - so auch an diesem Jubiläumsabend. "Tollwood gefällt uns auch nach 30 Jahren noch!", wünscht Ude sich und den Besuchern noch viele weitere, schöne Jahre. Der Worte sind's genug: "Dreiviertelblut" gibt für den weiteren Verlauf den Ton an. Ihren Sänger, Sebastian Horn, kennt man ja gut von den "Bananafishbones".
Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es eine Präsentübergabe mal mit umgekehrten Vorzeichen: "Geburtstagskind" Tollwood beschenkt die Stadt München zum Dank für 30 Jahre gutes Miteinander. Denn ohne diese drei Jahrzehnte währende Freundschaft gäbe es Sommer- wie Winter-Tollwood nicht. Dazu hat es die katalanische Aktionstheatergruppe "La Fura des Baus" engagiert, die auf der Bühne im Olympiasee auftritt. An einem lauen Sommerabend zeigt sie Tausenden von Zuschauern, die bei freiem Eintritt kommen durften, ihre Inszenierung von Carl Orffs Meisterwerk "Carmina Burana". Eine innovative, exzentrische und bildgewaltige Show projizieren die Künstler auf die Musik des Münchner Komponisten. Unterstützung finden sie bei Tänzerinnen der Abraxas Musical Akademie und dem Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater in München. Zu Melodien aus der Oper stellt die weltweit bekannte Compagnie mit viel Akrobatk und Technik ein musikalisch-theatralisches Erlebnis auf die Beine. Nach guter Stunde beweist der Applaus: Das Geschenk war ein Volltreffer, es hat viel Freude bereitet.
Service
Das Tollwood-Festival dauert noch bis Sonntag, 22. Juli. In der Musik-Arena treten bis dahin u.a. auf: Ringlstetter&Band (6.), Dieter Thomas Kuhn (7.), Gregor Meyle (8.), Earth, Wind & Fire (10.), Wincent Weiss (11.), Rocking Circus mit Sweet, Jethro Tull und Manfred Mann's Earth Band (12.), Wanda (13.), Alanis Morissette (16.), Konstantin Wecker (18.), Rainhard Fendrich (19.), Schmidbauer & Kälberer mit Pippo Pollina (20.) und Jack Johnson (22.). (am)
Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter
Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0



















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