Die "singende Föhnwelle", wie er gerne genannt wird, hat einen immens großen Fan-Kreis. Das zeigt sich jährlich wiederkehrend auf dem Tollwood-Festival. Wenn Dieter Thomas Kuhn angesagt ist, kommen die Besucher in Scharen mit Blumenketten um den Hals und im Haar, bringen Sonnenblumen in allen Variationen mit - in echt (an den welkenden Blättern erkennbar) genauso wie aus Papier oder Plastik. Schon lange vor dem Auftritt singen sie den Namen ihres Lieblings zur Sierra-Madre-Melodie. Gleich nach dem Intro, zu dem Peter Frankenfelds TV-Serie "Musik ist Trumpf" aus den siebziger Jahren den musikalischen Stoff liefert, legt er auf der Bühne in der wieder einmal ausverkauften Musik-Arena los.
Hits, die jeder kennt
"Sag mir quando, sag mir wann" von Caterina Valente gibt's zum Einstieg in den erotischsten Musik-Abend des Jahres in München, wie Dieter Thomas Kuhn verspricht. Er singt in den folgenden zweieinhalb Stunden nonstop von Liebe und Leidenschaft. Andere Themen kennt und mag er nicht. Er outet sich nicht ganz ernst gemeint als Fußball-Ahnungsloser ("Ich hab in dieser Woche noch in einem Interview getippt, dass Deutschland Weltmeister wird") und verrät seine einzige "politische" Botschaft, die da lautet: "Love and peace". Aber was ist schon wirklich ernst bei Dieter Thomas Kuhn?
Der Abend kann jedenfalls ganz unbelastet freien Lauf nehmen - und seinen Anhängern gefällt es, sie kommen gar nicht mehr davon heraus, ihren Star zu feiern. Bei "Über den Wolken" sind sie zum ersten Mal soweit, dass sie selber die Gesangsrolle übernehmen und Dieter Thomas Kuhn und seine "Kapelle", wie er seine sieben Mitspieler auf der Bühne seit jeher nennt, nur noch den Ton anzugeben brauchen.
Das Repertoire ist das gleiche wie in den Vorjahren: Lieder von Udo Jürgens ("Griechischer Wein", "Ich war noch niemals in New York", "Liebe ohne Leiden") finden sich darunter bevorzugt genauso wieder wie "Über sieben Brücken musst Du gehn" (Karat), "Im Wagen vor mir" (Henry Valentino), "Und es war Sommer" (Peter Maffay) oder "Fremde oder Freunde" (Howard Carpendale). Egal, was er gerade singt oder spielt: Der im glitzernden, blumigen Schlaghosen-Anzug auftretende Dieter Thomas Kuhn trifft bei seinen Anhängern immer ins Schwarze.
Er bleibt ein Phänomen
Vor dem Finale wird's fulminant: Ein Mini-Feuerwerk leuchtet an der Rampe, Konfetti regnen aufs Publikum. Der 53-Jährige setzt sich ans Klavier, das ein Kerzenständer ziert: In künstlich erzeugter Romantik spielt er Rio Reisers "Für immer und Dich" - Herzchen und Tauben flattern im Laser-Licht um ihn herum. Zu seinen letzten Zugaben kommt er betont lässig im Trainingsanzug zurück, nimmt einen Schluck Ramazzotti und bringt den liebevollen Abend zu Ende wie schon zig andere vorher: mit "Butterfly" von Danyel Gerard und "Tränen lügen nicht" von Michael Holm.
Am Ende steht ein Versprechen: Er kommt auch nächstes Jahr wieder, sagt er. Tausende von Menschen jubeln ihm daraufhin zu, als ob man ihnen gerade die Freude des Jahres gemacht hätte. Hot Butters "Popcorn" liefert dann noch das passende Outro: Beschwingt und fröhlich - und schon in Vorfreude auf das nächste Mal - zieht die Fangemeinde hinaus aufs Tollwood-Gelände.














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