15.02.2019 - 15:38 Uhr
FreihungDeutschland & Welt

Leidenschaft auf Oberpfälzisch

Für Franz Schuier ist der Valentinstag eigentlich nicht existent, Hubert Treml hingegen gefallen nette Gefälligkeiten und so verläuft auch der Abend in der Kulturscheune Elbart gemäß dem Motto „Du kannst mi gern hom“.

Treml gibt sein Alles: voller Leidenschaft und Inbrunst besingt er das "Annamirl" während Schuier gleichgültig in die Tasten haut.

Von Dagmar Williamson

Ein seltener Anblick für die Gäste auf der Belle Etage, dem romantischen Stockwerk der Kulturscheune: Ein Künstler wagt den Gang hinauf zur singenden Kontaktaufnahme mit seinem Publikum. Bei "mua, dua, hom, komm" besteht Verwechslungsgefahr, aber Hubert Treml reimt sich mit der Oberpfälzer Mundart in die Herzen der Zuhörer - nicht nur wegen des liebenden Anlasses. Heiß geht es auch gleich zur Sache, wenn die Regensburger Bosse ihre Version von "Fire" darbieten. In nichts nachzustehen hat sich das Duo. Einem Bruce Springsteen ebenbürtig ist das bayerische Feuer am lodern und führt zu taktvollem Nicken und Händchenhalten bei lustvollem Gelächter. Eigentlich ist es ja nur die textliche Übersetzung aus dem Englischen. Aber, des mua ma scho kinna. "Und dassd mi a ned mogst, doch kannst dei Sehnsucht ned verschleia, denn wennst mi küsst - Feia".

400 Liebesbekenntnisse

Liebesbekenntnisse, die hört man am Valentinstag besonders gern. 400 Stück hat der Liedermacher und Gitarrist Treml gesammelt und aus der erlesenen Traube ein Buch binden lassen. Passend zum gleichnamigen Valentinstag-Programm "Du kannst mi gern hom". Das ausverkaufte Werk, wohl weil der gemeine Oberpfälzer Stoffel kreative Ideen zum Umgarnen brauche, ist rein leserlich sogar in Unterfranken tauglich. Das Multitalent gibt auf der Kleinkunstbühne wohlwollend kreative Tipps, wie die drei Wörter individuell ausgeschmückt werden können, nennt personalisierte Grüße. Aufbauend auf "i mog di" oder "du taugst ma", wie es in dieser Region so schön heiße. Außerdem ließe es auf das Gemüt des Sprechers schließen. "I mog di wöi d'Sau ", oder "du taugst ma ins Kraut ei" sind nur wenige der ausdrucksstarken Lippenbekenntnisse über die Treml am Valentinstag philosophiert.

Nicht weniger charmant und mitreißend ist seine Begleitung am Piano: Franz Schuier. Sein Auftritt, neben versiertem Klavierspiel, glänzt mit seinem schauspielerischen Können. Seine Animation sitzt und führt zum Klatschen eines pulsierenden Herzschlags oder stellt gar Ersticken durch Niedrigpreise ihrer zu verkaufenden CD dar.

Keine Schenkelklopfer

Billig ist das Duo ganz und gar nicht. Authentischer Rock 'n' Roll mit Fußarbeit an den Tasten des Klaviers oder eine spezielle Blues-Version des Klassikers "Annamirl" - der Schuier ist unschlagbar. Auch wenn reine Gleichgültigkeit ihm ins Gesicht geschrieben steht, während Treml über sein Leid in der Liebe trällert. Über den Tod hinaus steht in Kapitel II: "Du bist mei Schatz und gehörst dich vergraben."

Widersprüchlich, aber in sich harmonisch und stimmig agierend sind die Regensburger Musikanten, die seit Jahren das bayerische Volk amüsieren - ohne Flachwitz oder Schenkelklopfer, dafür mit echten Lebensweisheiten, ehrenhafte Ehrlichkeit und viel Humor mit Augenzwinkern. Ja, die zwoa ko ma scho gern hom.

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