06.09.2019 - 10:12 Uhr
FriedenfelsDeutschland & Welt

"Schild-Bürgerstreich" gegen die Bundeskanzlerin

Wenn man das Schild sieht, denkt man an Wutbürger und Pegida - und muss doch schmunzeln, selbst wenn man mit all dem nichts am Hut hat.

Den "Merkelmussweg" gibt es in Friedenfels nicht. Trotzdem steht in dem Ort im Landkreis Tirschenreuth ein Straßenschild, das diesen Weg ausweist.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Auch der größte Fan der Bundeskanzlerin und ihrer Politik muss zugeben, kreativ ist dieser Protest schon: Ein Straßenschild auf einem Privatgrundstück zwischen Wiesau und Friedenfels weist den vorbeiführenden Steinwald-Radweg als "Merkelmussweg" aus. Natürlich ist dort kein "echtes" Straßenschild einbetoniert, sondern eine kaum versteckte Abwandlung des Schlachtrufs der flüchtlingsfeindlichen Pegida-Bewegung: "Merkel muss weg".

Der Grundstücks- und Schildbesitzer äußert sich am Donnerstagabend am Telefon zwar zu dem Schild, danach verlässt den Mann aber der Mut. Am Freitagmorgen zieht er seine Äußerungen per Mail und Fax zurück. Er wolle keine Stellungnahme zu dem Schild abgeben, schreiben dürfe man nur, "dass jemand, der diesen Spaß nicht versteht, wohl dezent humorbehindert" ist.

Allerdings hat der Hintergrund dieses "Spaßes" längst in Friedenfels und den Nachbarorten die Runde gemacht. Es soll sich bei dem Schild um ein Geschenk zu einem runden Geburtstag handeln. Der Eigentümer war demnach einst für die CSU in einem Gemeinderat aktiv, inzwischen habe er die Partei aber verlassen. Dabei soll die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin eine Rolle gespielt haben.

Derweil ist die rechtliche Bewertung unklar: Das Schild steht zwar auf Privatgrund, aber auch direkt an einer Straße. Weil es optisch von einem echten Straßenschild kaum zu unterscheiden ist, sind Missverständnisse nicht ausgeschlossen. Friedenfels' Bürgermeister Gottfried Härtl bittet dennoch um Verständnis, dass er derzeit keine verbindliche Aussage machen kann. Zwar sei das Wegerecht grundsätzlich Sache der Gemeinde, wie es sich aber in diesem Fall verhalte, kann Härtl noch nicht eindeutig abschätzen. Ein solcher Fall sei schließlich nicht alltäglich.

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