Friedensnobelpreis: Eine Entscheidung der Vernunft, nicht des Herzens

Der Friedensnobelpreis geht an den äthiopischen Premierminister Abiy Ahmed. Ein starkes Zeichen, meint Frank Werner. Aber ein fader Beigeschmack bleibt.

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Nun geht der Friedensnobelpreis also doch nicht an die hohe Favoritin Greta Thunberg. Wenn man die Reaktionen in den sozialen Medien nach der Vergabe in Oslo so liest, überrollt einen das kalte Grausen. Die 16-jährige Klimaaktivistin bleibt die Zielscheibe des Hasses schlechthin. Allein deswegen hätte die Schülerin Greta den Preis verdient. So aber haben die Juroren eine Entscheidung der Vernunft und nicht des Herzens gefällt.

Thunberg wird insgeheim aufatmen. Die Bürde dieser XXL-Auszeichnung wäre für die Schwedin wahrscheinlich zu groß. Sie hat ein Thema angestoßen, das ohnehin nicht mehr zu stoppen ist. Ihr Verdienst und das der jungen Fridays-for-Future-Generation.

Mit dem Preisträger Abiy Ahmed hat das Komitee gleichwohl ein starkes Zeichen gesetzt. Ein Licht im Dunkel des von Bürgerkriegen, Hungersnot und Hoffnungslosigkeit gezeichneten Kontinents. Der äthiopische Ministerpräsident zeigt das andere Afrika, in dem Menschenrechte und Demokratie eine Chance haben.

Ahmeds Friedensvertrag mit Eritrea ist wegweisend. Beide Länder, die in einen blutigen Grenzkrieg mit tausenden Toten verstrickt waren, reichten sich die Hand. Der Preisträger handelt ganz im Sinne des Testaments des Stifters Alfred Nobel. Gewürdigt werden soll schließlich, wer "am besten für die Verbrüderung der Völker" gewirkt hat.

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