"Alex"-Unglück in Tschechien – Ermittlungen laufen

Der Streckenabschnitt von Furth Richtung Pilsen hatte schon in der Vergangenheit keinen guten Ruf. Nach dem schweren Unfall am Mittwoch laufen nun die Ermittlungen. Womöglich hat der Lok-Führer des "Alex" ein Warnsignal übersehen.

Einsatzkräfte eilen zum Unglücksort.
von Redaktion onetzProfil

Von Karl Reitmeier

Kurz nach 8 Uhr zerreißt ein Knall die morgendliche Stille desBöhmerwaldes. Am Ortseingang von Milvace, fünf Kilometer östlich von Domažlice an der tschechischen Grenze zum Landkreis Cham, war ein "Alex" der Länderbahn auf dem Weg nach Prag frontal in einen entgegenkommenden Regionalzug gefahren. Der "Alex" war um 4.45 Uhr in München aufgebrochen, kurz vor 7 Uhr hatte er den Bahnhof Schwandorf verlassen, gegen 8 Uhr die tschechische Grenze passiert. Wenige Minuten später muss der Aufprall extrem gewesen sein, beide Zügen pralleten regelrecht ein Stück zurück. Die Bewohner von Milavces konnten das Unglück nicht sehen – gehört haben es fast alle. Hinterher beschrieben sie den Journalisten vor Ort einen fürchterlichen Knall. Schnell sei klar gewesen, dass etwas Schreckliches passiert sein muss.

Signal übersehen

Offenbar hatte einer der Lok-Führer auf dem "Alex" ein Haltesignal übersehen. Beide Tschechen auf der Lok mussten das schwere Zugunglück mit dem Tod bezahlen. Auch die Frau, die vorne im Triebwagen des Regionalzugs stand, wurde getötet. Wie die Länderbahn in einer Pressemitteilung erklärt, sollen sich rund 20 Reisende im Alex befunden haben. Wie viele Mitfahrer sich im tschechischen Regionalzug aufhielten, blieb am Mittwoch unklar. Verletzt wurden aber insgesamt mindestens sieben Menschen schwer, 40 weitere kamen mit leichteren Verletzungen davon.

Die beiden verstorbenen Lokführer hatten ihren Dienst erst in Furth angetreten. Dort, kurz vor der Grenze, war der obligatorische Wechsel auf tschechisches Personal erfolgt. Die Lokführer der Länderbahn stehen nur auf deutschen Streckenabschnitten am Führerstand. In Tschechien übernimmt dann die tschechische Staatsbahn.

Keine Stunde nach dem Wechsel bot sich den Rettungskräfte, der Polizei und den Feuerwehrleuten an der Unglücksstelle ein Bild des Grauens – schreiende und umherirrende Verletzte. Die völlig zerstörten Führerstände der Züge machten schnell klar, dass die Lokführer keine Chance hatten. Die Unglücksursache blieb am Mittwoch offiziell ungeklärt. Tschechische Medien berichteten aber schon sehr kurze Zeit nach dem Unglück davon, dass der tschechische Lok-Führer des "Alex" wohl ein Warnsignal übersehen haben muss, und so das Unglück ausgelöst hat.

Bewährte Zusammenarbeit

Während Rettungshubschraubern und Rettungswagen die Schwerverletzten in die umliegenden Krankenhäuser abtransportierten, wurden die Leichtverletzten zunächst ins Kulturzentrum von Milavce gebracht. Dort wurden sie notärztlich versorgt. Danach entschieden die Ärzte über weitere Maßnahmen. Eine tschechische Mitfahrerin stand dort noch Stunden nach dem Unfall unter Schock. "So etwas kenne ich doch nur aus dem Fernsehen und jetzt war ich selber in diesem Zug."

Bewährt habe sich laut Aussage der Einsatzleitung das grenzüberschreitende Rettungszentrum in Furth im Wald. Eine Abschnittsleiterin koordinierte von dort aus den Einsatz der Rettungskräfte aus dem Landkreis Cham. Der Katastrophenschutzleiter des BRK-Kreisverbands, Tobias Muhr, sagte dass die Helfer mit sechs Rettungswagen, vier SEG-Transportern, vier Krankentransportwagen und zwei Notärzten nach Milavce gekommen waren. Auch der Rettungshubschrauber Christoph 15 aus Straubing war angefordert worden, um die tschechischen Kollegen zu unterstützen.

Insgesamt war der BRK-Kreisverband Cham mit rund 40 Rettungskräften im Einsatz. Die Chamer halfen auch im Kulturzentrum bei der Versorgung der Verletzten. Unter den Fahrgästen befanden sich auch einige Deutsche befunden, von denen ebenfalls einige verletzt wurden. Das BRK brachte sie nach der Erstversorgung nach Deutschland zurück. Der finanzielle Schaden des Unglücks soll sich auf bis zu 100 Millionen Euro belaufen.

Vorerst Ersatzverkehr

Unklar war am Mittwoch auch, wie es mit dem Bahnverkehr auf der eingleisigen Strecke weitergeht. Mindestens bis Freitag werde die Bergung der zerstörten Züge dauern. So lange steht auch die Zugstrecke mindestens nicht zur Verfügung, hieß es am Mittwoch zunächst. Im tschechischen Streckenabschnitt zwischen Domazlice und Stankov ist der Zugverkehr unterbrochen. Der "Alex" endet bis auf weiters in Furth im Wald. Die tschechische Staatsbahn hat Schienenersatzverkehr für die ausfallenden Züge zwischen Furth im Wald und Stankov eingerichtet.

Der Geschäftsführer der Länderbahn, Wolfgang Pollety, sprach in einer Pressemitteilung des Unternehmens "von schrecklichen Bildern" aus Tschechien "Wir sind in Gedanken bei den Opfern dieses schlimmen Zugunglücks". Vor Ort werde alles getan, um zu helfen. Man unterstütze die tschechischen Kollegen der Ceské Drahy nach besten Kräften.

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