20.12.2021 - 16:43 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Gentleman-Gauner auf abenteuerlichem Roadtrip

Alles läuft gut für Taschendieb Konstantin Herzog – bis ein brutaler Mord ihn aus der Komfortzone in die internationale Kriminalität katapultiert. Aber gerade das macht Wolfgang Sréters „Herzogs Höhenflüge“ zu einem Krimi mit Weltflair.

Schriftsteller Wolfgang Sréter
von Anke SchäferProfil

Konfrontiert mit der übel zugerichteten Leiche seines ehemaligen Schulkameraden verlässt den smarten Dreißiger Konstantin Herzog das Timing. Auf eigene Faust macht er sich auf die Suche nach Spuren und Hintergründen. Dabei kämpft der selbsternannte "Kunstzieher", sprich Taschendieb, mit einem für ihn neuen Problem - egal ob in Vietnam, in Jerusalem oder Prag, immer kommt er einen Wimpernschlag zu spät.

Bis zum dramatischen Showdown am Gardasee lässt Wolfgang Sréter auch die Leserinnen und Leser, die sich mit Herzog auf den Weg machen, im Dunkeln, was eigentlich hinter all den merkwürdigen Zufällen steckt. Sind es Drogenschmuggeleien mit tödlicher Konkurrenz oder dreht es sich doch eher um Antiquitäten, die ein weiterer Schulkamerad an neureiche Tschechen verhökert?

Aufenthalt im Goldenen Dreieck

Zumindest einen kleinen Hinweis hat der Autor bei einer digitalen Lesung auf der Plattform "Begegnung mit Böhmen" in Kooperation mit dem "lichtung verlag" und dem evangelischen Bildungswerk Regensburg gegeben: Die Initialzündung zum Roman rührt von einem Aufenthalt im Goldenen Dreieck. Dort an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar zeigte ihm einst ein Einheimischer ein riesiges Lager mit burmesischen Antiquitäten: "Unsere Arroganz gegenüber dieser Kunst und diesen Kunststücken ist unglaublich", prangert Sréter an, Stichwort Raubkunst.

Seine respektable Sammlung Flug- und sonstiger Meilen beschert dem Roman aber auch an anderen Stellen das nötige Maß an Authentizität. Die abenteuerliche Strapaze über Jordanien und die Westbank nach Jerusalem zu gelangen, schildert der als Fotograf weit gereiste Autor nicht nur im Buch, sondern auch bei der Online-Lesung eindringlich.

"Durchführung ist die Hölle"

Im Gespräch hakt die zugeschaltete Verlegerin Kristina Pöschl zudem nach, warum ausgerechnet ein Dieb zur Hauptfigur erkoren wurde. Er sei tatsächlich zwei Mal bestohlen worden, eine dieser Begebenheiten habe er direkt verarbeitet. Es sei allerdings viel öfter der Fall gewesen, dass ihm seine Sachen nachgetragen wurden, bekennt der Autor.

Für Pöschl besticht der neue Roman vor allem durch geschickten Aufbau und enorme Spannung. "Es macht immer Spaß, wenn man Geschichten erfinden kann", so Sréter, um gleich mit dem Schriftsteller Guy de Maupassant zu relativieren: "Eine Idee zu haben ist der Himmel, die Durchführung ist die Hölle".

Selbst wenn es bei "Herzogs Höhenflüge" wirklich so gewesen sein sollte, entschädigt das Ergebnis, das Leserinnen und Leser schnell hineinsaugt in den speziellen Kosmos des Titelhelden. Und am Ende enttäuscht auch der Plot nicht. Selbst wenn da die große Welt plötzlich auf eine sehr kleine, lange zurückliegende Keimzelle zusammenschmilzt.

Ein besonderes Hochschulinstitut in Regensburg

Regensburg
Der Roman "Herzogs Höhenflüge", 240 Seiten, Klappenbroschur, ist im November 2021 in der edition lichtung erschienen und kostet 16 Euro.
Hintergrund:

Zur Person: Wolfgang Sréter

  • Wolfgang Sréter wurde 1946 in Passau geboren, studierte Volkswirtschaft und Soziologie
  • er arbeitet als Dozent für Kulturmanagement, Fotograf und Autor von Theaterstücken, Erzählungen und Romanen
  • er lebt in München
  • im lichtung verlag sind bereits erschienen: der Roman "Milenas Erben", die Erzählung "Der falsche Fräser" und das Hörbuch "Blech hören Blech wörtlich"
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