Update 27.08.2026 - 20:51 Uhr

Gewalttat mit zwei Toten an Schule schockt Brandenburg

Tränen auf dem Schulhof, stille Anteilnahme: Ein tödlicher Angriff an einer Schule erschüttert Brandenburg. Notfallseelsorger betreuen Schüler, die Polizei sichert den Tatort.

Die Polizei führt Jugendliche und Eltern vom Schulhof, einige von ihnen weinen. Drei Stunden vorher hat sich dort an der Schule in Gosen-Neu Zittau in Ostbrandenburg bei Berlin eine erschütternde Tat abgespielt: Ein 19 Jahre alter Deutscher soll zwei Menschen getötet haben, eine Frau und einen Mann. 

Die Frau soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Ex-Freundin des mutmaßlichen Täters gewesen sein, bei dem Mann soll es sich um den Hausmeister der Schule handeln. Beide Opfer starben laut Polizei trotz sofortiger medizinischer Versorgung noch vor Ort an ihren Verletzungen. Der RBB schrieb, dass das weibliche Opfer eine 18 Jahre alte Schülerin sei. Dies bestätigte die Polizei bisher nicht.

Nach der Gewalttat nahmen die Einsatzkräfte den Verdächtigen vorläufig fest. Auf der Plattform X schrieb die Polizei Brandenburg zuvor: „Wir sichern aktuell den Tatort.“

Gegen 13.45 Uhr seien die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Zunächst gab es Gerüchte um eine Amoktat an der Schule, was sich aber nicht bestätigte. „Nach den bisherigen Erkenntnissen gehen die Ermittler von keiner Amok-, sondern einer Beziehungstat aus“, erklärte die Polizei.

Nach der Tat kamen am Abend etwa 100 Kinder und Erwachsene mit Blumen und Kerzen zu einem Gedenken zusammen. Der Schock stand den allermeisten noch ins Gesicht geschrieben. Es wurde laut geweint, Kuscheltiere wurden niedergelegt, die Menschen umarmten sich. 

Landtagspräsidentin spricht von „feigem Femizid“

Die Polizei war zunächst vorsichtig und sparsam mit konkreten Auskünften und Details zum Alter der Getöteten, Tatwaffe und Motiv. Viele Fragen blieben kurz nach der Tat noch unbeantwortet. In einem Schreiben rief die Polizei auf, sich bei Hinweisen zum Geschehen zu melden.

Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke bezeichnete die Tat als „feigen Femizid, der in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf“. Wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden - also weil sie Frauen sind - spricht man von einem Femizid, als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.

Schüler harren in einer Turnhalle aus

Notfallseelsorger waren vor Ort und betreuten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Angehörige. Einige befanden sich noch am späten Nachmittag in der Turnhalle, wurden mit Getränken versorgt und später von ihren Eltern abgeholt. Ein Polizeisprecher sagte, es könne sein, dass noch einzelne Schüler vernommen würden.

Die Ermittler gingen nicht davon aus, dass noch eine Gefahr in der Schule besteht. Zum Hof baute die Polizei Sichtschutzwände auf. Rund um die Schule standen Schaulustige, die Straße davor war gesperrt.

Campus liegt idyllisch umgeben von Wald und Seen

Die Tat ereignete sich auf einem Schulcampus eines privaten Trägers, umgeben von Wald und Seen. Dort befinden sich ein Gymnasium, eine Oberschule und eine Fachoberschule. Mit dem Modell sollen die Gemeinsamkeiten gefördert werden, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wird betont. Gosen-Neu Zittau hat rund 3.500 Einwohner.

Erst Anfang August war in Brandenburg eine 19-Jährige tot in der Wohnung ihres Freundes in Hohen Neuendorf nördlich von Berlin gefunden worden - getötet mutmaßlich von ihrem gleichaltrigen Freund. Todesursache sei „scharfe Gewalt“ gewesen, hieß es von der Polizei. Der Tatverdächtige wurde später von einem Fernzug tödlich verletzt. Laut Polizei war von einem Suizid auszugehen.

Brennende Kerze und mitfühlende Worte

In Neu Zittau zeigte der Schulträger am Abend auf seiner Instagramseite seine Trauer mit dem Bild einer brennenden Kerze im Dunkeln. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus. „Bei einem furchtbaren Angriff sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Diese Tat erschüttert unser gesamtes Land.“

Auch Berlins Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) äußerte sich schockiert: „Eine Schule ist für Kinder und Jugendliche ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Vertrauens - ein Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen sollen. Dass dieser Ort zum Schauplatz einer Gewalttat geworden ist, bestürzt mich sehr.“

Der Brandenburger Landeselternrat erwartet, dass nun Maßnahmen geprüft werden, um für Sicherheit an den Schulen zu sorgen. „Eltern müssen ihre Kinder morgens in die Schule schicken können, ohne Angst und ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.“

© dpa-infocom, dpa:260827-930-591557/8

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