Gleiche Bildungschancen bleiben trotz Bafög-Erhöhung eine Utopie

Ein Wust an Formularen, einengende Vorgaben und zu wenig Geld. Das Bafög hat viel Kredit verspielt. Auch die neue Reform scheitert an der Realität des Studentenlebens, das längst kein lustiges mehr ist, kommentiert Tobias Schwarzmeier.

Kellnern statt büffeln. Ein Großteil der Studenten braucht trotz Bafög Jobs, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Wissenschaft, Erfindergeist und Intelligenz sind in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland die entscheidenden Ressourcen. Um diese "Schätze" wieder effektiver zu fördern, hat die Große Koalition nun einen überfälligen Schritt getan.

Die Bafög-Reform dreht punktuell an allen relevanten Stellschrauben wie Fördersätzen, Wohnpauschalen oder Freibeträgen. Aber auch wenn dadurch eine Verbesserung stattgefunden hat - eine Trendwende wurde erneut verpasst.

Denn in dem Moment, in dem das Bafög nicht größtenteils die Lebenshaltungskosten deckt und dem Studenten den Rücken frei hält, hat es seine ursprüngliche Intention verfehlt. Selbst die kräftige Erhöhung der Wohnpauschale reicht kaum, um auch nur die Miete einer durchschnittlichen Studentenbude zu zahlen - egal in welcher Hochschulstadt. Der "normale" Student muss weiter jobben. Das ist charakterbildend, aber für sein Studium kaum förderlich. Andere Ausbildungswege erscheinen so attraktiver.

Ohne kontinuierliche Berücksichtigung von Mietspiegeln und Preissteigerungen ändert auch diese Reform nichts daran, dass sich Hochschulbildung und sozialer Status der Eltern gegenseitig bedingen. Ein chancengleicher Zugang zu Bildung bleibt utopisch. Doch der ist entscheidend, will Deutschland seine Ressourcen nutzen, um Bildungsstandort zu bleiben und bei den Zukunftstechnologien aufzuholen. In dieser Form ist die Bafög-Anhebung aber nur die halbe Miete.

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