07.11.2019 - 18:52 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Prost mit Mister Pompeo - und ein kleiner Blechschaden

Ganz klar: So ganz ohne Pomp kann so ein Pompeo-Besuch nicht abgehen. Der US-Außenminister reist am Donnerstag durch die Oberpfalz. Und zumindest die Autofahrer auf der A 93 dürfte es "gerissen" haben.

"Bild" und "Spiegel" machten ein Riesenthema aus diesem Fahrzeugteil. Nach Informationen von Oberpfalzmedien hatten sich an einer Behelfsausfahrt der A93 bei Hof an einer Engstelle zwei Vans des Trosses touchiert, in dem US-Reporter saßen. Dabei kam es zu einem Blechschaden.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Ein Tross von über 35 Fahrzeugen und 8 Motorrädern rollt gegen 10.45 Uhr in Kolonne auf der Autobahn nach Norden. Am Morgen hat der US-Gast noch in Grafenwöhr mit Kommandeuren gefrühstückt. Mike Pompeo war selbst einst in Bindlach bei Bayreuth stationiert. Auf dem Weg nach Vilseck lässt er sich einen Stryker zeigen und fährt im Panzer am Militärmuseum vor. Mittags wird er in Mödlareuth im Landkreis Hof erwartet. Den Weg legt Pompeo auf der "German Autobahn" zurück. Das erforderte einiges an Vorarbeit durch die beteiligten Polizeipräsidien Oberpfalz, Mittelfranken und Oberfranken. Sämtliche Brücken über die A 93 sind während der Durchfahrt der ellenlangen Kolonne für Fußgänger und Fahrzeuge gesperrt.

Veteranen-Ausflug mit Frau

Warum so viele? Ganz einfach: Pompeo reist nicht allein. Mit dabei sind 17 alte Freunde. Allesamt West- Point-Veteranen, die ihn - teils mit ihren Frauen - auf dem "Ausflug in die Vergangenheit" begleiten. Auf eigene Kosten. Alle waren vor der Wende an der deutschen Grenze stationiert. Zur Entourage gehört zudem der Berliner US-Botschafter Richard Grenell und natürlich Pompeos Stab, der Secret Service, Bundeskriminalamt, SEK und und und. In den Vans fährt die "traveling press" mit, Reporter aus den USA.

Immer an der Seite des Ministers ist sein strategischer Berater Ulrich Brechbühl, der ebenfalls Verbindung in die Region hat. Der gebürtige Schweizer, aufgewachsen in New York, war vor der Wende in Bayern (Amberg) stationiert, ebenso seine Brüder Hans (Leiter des Bordercamp Pitman in Weiden) und David. Die ganze Familie pflegt noch immer Kontakte in die Oberpfalz: Die Brechbühl-Brüder sind freundschaftlich verbunden mit Bundespolizist Reinhold Balk aus Hahnbach, der damals am Eisernen Vorhang Dienst tat. Auch Balk und die Brüder sitzen am Donnerstag in den Chevy-Vans nach Mödlareuth.

Vormittags rollte eine Wagenkolonne mit Mike Pompeo durch die Oberpfalz

Grafenwöhr

Bratwürste mit Kraut

Den 48-Einwohner-Ort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze soll sich Pompeo ausdrücklich als Reiseziel gewünscht haben. "Little Berlin" ist eindrucksvolles Symbol der Teilung, die vor 30 Jahren endlich überwunden wurde. Dort wird Pompeo vom Hofer Landrat Oliver Bär sowie dem deutschen Außenminister Heiko Maas erwartet. Gemeinsam absolviert man den Rundgang durch das Museum, geführt von Leiter Robert Lebegern, einem Weidener. Maas hat sich am Vortag noch in die Nesseln gesetzt, als er allen möglichen europäischen Ländern für die Unterstützung bei der Wende dankte - nur den Amerikanern nicht. Eine Schülergruppe zeigt eine Ausstellung. Dann fährt Maas schon wieder.

Pompeo bleibt noch. In der Fahrzeughalle des Museums gibt's Bratwürste mit Kraut und ein Bier dazu. Hier stoßen die US-Veteranen mit 19 bayerischen Grenzbeamten an. Von BGS Deggendorf, Schwandorf, Bayreuth, Nabburg, von Grenzpolizei und Zoll. "Es war eine lockere Runde, viele kannten sich noch", sagt Bundespolizist Balk.

Landrat Oliver Bär, Außenminister Heiko Maas und Amtskollege Mike Pompeo besuchen Mödlareuth bei Hof. Im Hintergrund ist ein Grenzturm zu sehen. Durch das Dorf verlief einst die innerdeutsche Grenze.

Ein Tag 5G

Fotos gibt's davon nicht. Nur drei deutsche "Pool-Fotografen" (Getty, AFP und Bundespressekonferenz) waren überhaupt zugelassen, lokale Medien gar nicht. Zumindest die 48 Einwohner spüren einen netten Nebeneffekt. Der Ort liegt eigentlich in einem Funkloch. Für den Besuch war extra ein Mobilfunkmast aufgestellt worden. Manche machen ein "Selfie" mit Pompeo.

Der "weiche Start" in den Deutschlandbesuch war bewusst so gewählt worden. Danach ging es nach Leipzig. Richtig politisch dürfte es werden, wenn Pompeo am Freitag in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel zusammentrifft. Dann könnten die Ukraine-Krise und lang diskutierte Streitthemen auf den Tisch kommen, wie der deutsche Nato-Beitrag und die gegen den Willen der USA vorangetriebene Ostsee-Pipeline Nordstream 2.

Was für ein Anblick: Der Tross des US-Außenministers Mike Pompeo rollt am Donnerstag die A 93 nach Norden (hier bei Weiden). Die Kolonne zählt 43 Fahrzeuge. Warum so viele? Pompeo kam mit Freunden.

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