Grönlands Eisblumen oder Trumps größter Immobiliendeal

Als "Erik der Rote", ein Migrant aus Island, 982 nach Grönland umsiedelte, hatte er eine werbewirksame Idee: "Grünland" nannte er die Insel, auf der auch damals vor allem Eisblumen blühten.

Ein Boot umfährt in der Dämmerung einen Eisberg: US-Präsident Donald Trump hofft auf den Klimawandel, um sich in Grönland Bodenschätze unter den Nagel zu reißen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Er lockte damit andere Neusiedler in die unwirtliche Gegend. Was Erik nicht wusste, sehr wohl aber Geschäftsmann Trump: Unter dem grönländischen Eis verbirgt sich ein enormer Reichtum an Bodenschätzen.

Der vom US-Präsidenten geleugnete Klimawandel kommt da gerade recht: Das Eis schmilzt, der Abbau etwa von Zink beginnt sich zu lohnen. Dazu kommen große Vorkommen an unterseeischem Erdgas und Erdöl. Anders als das zaristische Russland, das 1867 Alaska für den Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar an die Staaten verkaufte, kennt die dänische Regierung aber sehr wohl den Wert der Insel, die fast fünfmal so groß ist wie der Rest des skandinavischen Inselstaats.

Bereits 1946 hatte James Byrnes, Außenminister unter Harry S. Truman, den Dänen 100 Millionen Dollar für Grönland oder ein Tauschgeschäft gegen einen Teil Alaskas vorgeschlagen. Der Deal kam nicht zustande. Daran muss der große Deal-Maker gedacht haben, als er das Thema vor dem geplanten Dänemark-Besuch aufs Tapet brachte.

Dass sich Trump damit auch soziale Probleme einkaufen würde - jedes sechste grönländische Kind leidet an Unterernährung - hätte den Manchester-Kapitalisten so wenig gestört wie der Protest gegen die Fracking-Öl-Pipeline "Dakota Access" durchs Indianerreservat. Was ficht einen Grobian wie Trump an, dass an dem "großen Immobiliengeschäft" halt auch rund 56 000 Grönländer, die meisten Innuit, dranhängen.

Wie ernst die Offerte gemeint ist, lässt sich bei einem Showtalent wie Trump schwer sagen. Dass er zur "Überraschung" des dänischen Königshauses nun seinen Besuch abgesagt hat, kann auch mit der geplanten Stippvisite eines anderen US-Stars zu tun haben: Auf Barrack Obama freuen sich die Dänen wirklich. Und für Trump zahlen sich die Schlagzeilen auf alle Fälle aus: Sie lenken von den wahren Problemen der USA ab.

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