12.06.2019 - 10:58 Uhr
Deutschland & Welt

Die Große Koalition und ihre Sehnsucht nach dem Schiffbruch

Nach dem Rückzug von Andrea Nahles bricht in den Kommentarspalten die Panik aus: "Die Groko ist am Ende!" Wirklich? Warum eigentlich? Ein Kommentar von Frank Stüdemann

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, telefonierend auf der Terrasse des Bundestages. Wird sie Kanzlerkandidatin? Und ist das jetzt überhaupt wichtig?
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Als Andrea Nahles vor gerade mal gut einer Woche Partei- und Fraktionsvorsitz der SPD hinwarf, war sich der Chor der Kommentatoren einig: Der Bruch der Großen Koalition steht unmittelbar bevor. Stündlich, ja minütlich sei damit zu rechnen, dass die Regierung an diesen neuen Umständen zerbricht. Aber warum eigentlich? Was wäre das für eine dürftige politische Allianz, wenn schon Veränderungen beim Führungspersonal ihre Grundfesten erschütterten? Hätte sich Nahles aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen, wären die Reaktionen ähnlich hysterisch ausgefallen?

Die Groko kann, wenn sie denn will, weiter den Koalitionsvertrag abarbeiten - und wer will, kann das "Regieren" nennen. Dass vor allem die SPD lieber früher als später die Scheidung dieser Vernunftehe herbeisehnt, steht dem zunächst ja nicht im Wege. Mit der ungesunden Fixierung in Teilen der SPD auf Juso-Chef Kevin Kühnert als neuen Heilsbringer sowie der jetzt losgetretenen Debatte über die Regelung der Kanzlerinnen-Nachfolge bei der CDU bringen die Koalitionäre allerdings den Kahn mehr zum Schaukeln als nötig.

Ja, die Zeichen stehen bei den strauchelnden Volksparteien dank der wachsenden Umfragendominanz der Grünen auf Veränderung. Das ist aber noch lange kein Grund, den Schiffbruch - sprich: vorgezogene Neuwahlen - durch kopfloses Herumrudern selbst herbeizuführen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.