Oberpfälzer Autor Jeff Beer veröffentlicht im Kursbuch

Der Autor Jeff Beer bewahrt auf sprachlich faszinierende Weise Erinnerungen an seine Jugend in der Oberpfalz auf. Sein Text "Albert-Passage" ist nun im Kursbuch erschienen.

Der in Mitterteich geborene Autor Jeff Beer hat einen Text über Erinnerungen an seine Jugend im aktuellen Kursbuch 194 veröffentlicht.
von Peter GeigerProfil

Im Zauber der Sprache bewahrt der vielfach begabte Künstler Jeff Beer seine Erinnerungen an die späten 1960er Jahre auf. Sein Text "Singen in die eigene Faust oder: Die Albert-Passage" ist in der aktuellen Nummer der Zeitschrift "Kursbuch" erschienen. Auf 50 Seiten erzählt der Autor, der auch Musiker und bildender Künstler ist, ein Stück seiner Jugend "an der bayerischen Grenze gegen Böhmen". 1952 wurde er in Mitterteich geboren. Als Teenager hat er sich eine Hammond-Orgel gekaufte und sich selbst das Spielen beigebracht. Aus diesen Erinnerungen ist ein langes Gedicht entstanden.

ONETZ: Im Kursbuch einen Text platzieren zu können, ist für einen Künstler wie Sie bestimmt eine große Ehre?

Jeff Beer: Ja, ich wusste, dass das Kursbuch von keinem geringeren als Hans Magnus Enzensberger gegründet worden war, und entdeckte jedes Mal, wenn ich es las, spannende Autoren darin: Rolf-Dieter Brinkmann etwa, den frühen Peter Handke oder Samuel Beckett. Außerdem immer einen frischen, kritischen Zeitgeist!

ONETZ: Das Buch widmet sich den Alternativen und seinen Wandlungen. Ihr Erzählstil verweigert sich Konventionellem und Etabliertem. Wie anders haben Sie sich als junger Mann empfunden?

Jeff Beer: Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, auf welche gesellschaftlichen Widerstände man in den 1960er Jahren stieß, wenn man sich mit den aufregenden musikalischen Innovationen, die bis in die Provinz herein wehten, intensiver auseinanderzusetzen begann. Ich persönlich erlebte weder zu Hause und schon gar nicht in der Schule für dieses spezifische Interesse Rückhalt. Man hatte das Gefühl, seine Studien nahezu heimlich betreiben zu müssen. Längere Haare waren ein Reizthema, für das schon mal Verweise ausgeteilt wurden. Ständige Auseinandersetzungen mit dem Vater. Ich dachte: Wo ist eigentlich das Problem? Woher rührt diese Angst, diese Aggression, die natürlich auch eine Gegenbewegung erzeugte, zumindest innerlich, eine Art Trotz?

ONETZ: Nimmt Albert dabei Formen des Faustischen und Dämonischen an?

Jeff Beer: Ja, das liegt alles in dieser Albert-Figur drinnen. Ein Riesentalent, eine schillernde Figur, eigentlich ein genialer Typus, der aber tragisch scheitert. Mit den Erinnerungen an den tatsächlichen Albert, war es, als würde ich in eine gläserne Zwiebel schauen: In den mit der Albert-Figur verknüpften Bildern und Assoziationen spiegelte sich im Rückblick eine ganze Ära - zwar aus der Provinz heraus erzählt, aber durch die Protagonisten wie in einem Reflektor oder Radarschirm eingefangen. Dadurch wieder auferstanden, textlich materialisiert, und somit dem Vergessen entrissen. Ein starkes Erinnerungs- und Schreiberlebnis!

ONETZ: Wie sehr kommt Ihnen als Autor Ihre Musikerseele zugute?

Jeff Beer: Ohne meinen tiefgreifenden Umgang mit der Musik wäre der Text nicht möglich gewesen. Er ist geschrieben wie eine Partitur. In ihm wende ich verschiedene musikalische Formen wie Toccata, Rezitativ, Fuge und Sonatenform an. Aber auch filmisch inspirierte Überlagerungstechniken und eigene, freiere Formen spielen eine Rolle. An jedem einzelnen Satz wurde sorgfältig gearbeitet und lange gefeilt. Diese Mischung macht für mich die besondere Struktur und den Sound dieser Prosa aus. Rhythmisierte Wortfelder bestimmen den Text, treiben ihn an, es gibt aber immer wieder Inseln der innersten Stille.

ONETZ: Schreiben als meditativer Akt?

Jeff Beer: Ja, ein zu sich Kommen. Ein in sich Hineinfragen, in die akute Situation da draußen. Und ein Hinausfragen, etwa in das Gesicht des anderen, der gerade da ist, in dieses immer andere, rätselhafte Du. Letztlich aber ist der Text ganz aus dem Ohr heraus geschrieben worden, das heißt, ich habe größten Wert darauf gelegt, dass der Text klingt, sprichwörtlich stimmt wie ein gut gestimmtes Instrument, dass er eine reiche Farbigkeit entwickelt, dass er fließt, und dass in seiner rhythmischen Gestalt immer neue Formen auftauchen, die ich im Detail sogar mit musikalischen Termini beschreiben könnte. Ich habe dafür ein eigenes Verfahren entwickelt, mit dem ich diesen Anspruch schließlich zu meiner Zufriedenheit einlösen konnte. Aber es hat sehr viele Versionen gebraucht, um ans Ziel zu gelangen - offen gesagt weit über hundert!

ONETZ: Sie haben den Text schon vor Publikum aufgeführt?

Jeff Beer: Ja, mehrfach. Besonders spannend war die Einladung zum internationalen Russisch-Deutschen Germanistentag, der im vergangenen Dezember von der Germanistischen Fakultät der Staatlichen Universität Sankt Petersburg ausgerichtet worden ist. Dort las ich die Albert-Passage in einem der großen traditionellen Hörsäle vor vollem Haus. Ich war gut vorbereitet, fühlte mich bestens und bin aufs Ganze gegangen!

ONETZ: Mit welchen Gefühlen beobachten Sie das Schaffen Ihrer musikalisch erfolgreichen Tochter Phela?

Jeff Beer: Da sind viele Gefühle! Da ist vor allem ein großes Staunen, welche Früchte sich aus diesem Wesen, mit dem ich mich seit beinahe 30 Jahren sehr verbunden fühle, mit den Jahren herausentwickeln. Mich freut, dass sie den Mut und das Selbstvertrauen hat, sich auf den nicht ganz einfachen Weg einer freien künstlerischen Laufbahn zu wagen. Ich bin sicher, dass sie ihre ganz eigene Sprache finden wird. Die bisher vorgelegten Kostproben ihres Talents sind sowohl musikalisch als auch, was die Texte betrifft, vielversprechend. Auf der Bühne wirkt sie, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Da kann ich nur sagen: "Einfach weitermachen!"

Das Kursbuch gibt es als Abonnement. Es kostet 60,00 Euro pro Jahr.

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