München
26.11.2021 - 12:48 Uhr

Herden besser vor den Wölfen schützen

Wölfe haben heuer in Bayern bislang 38 Nutztiere gerissen, so viele wie im Vorjahr. Im Landtag wurde erneut darüber debattiert, wie die Existenz von Wölfen mit dem Schutz von Tierherden vereinbar sein könnte.

Die kann man andere Tiere vor Wölfen schützen? Die Parteien im Landtag sind sich uneinig. Bild: Swen Pförtner/dpa
Die kann man andere Tiere vor Wölfen schützen? Die Parteien im Landtag sind sich uneinig.

Das bayerische Umweltministerium sieht in einem optimierten Herdenschutz die zielführendste Möglichkeit, um Nutztiere vor Übergriffen von Wölfen zu bewahren. Abschüsse von Wölfen seien aus rechtlichen Gründen nur in eng gesteckten Ausnahmen möglich, erklärte der im Ministerium für Wildtiermanagement zuständige Erik Settles im Umweltausschuss des Landtags. Diese seien nur erlaubt, wenn es keine milderen Mittel als zumutbare Alternative gebe - also wenn effektiver Herdenschutz technisch nicht möglich oder mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden sei.

Neue Möglichkeiten könnten sich nur ergeben, wenn die in der europäischen FFH-Richtlinie aufgeführte "beschränkte Bestandsregulierung" ins Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen würde. Auch das hätte aber aus Gründen des Artenschutzes seine Grenzen, führte Settles aus.

10 000 Euro Schadenersatz

In Bayern sind nach seinen Angaben derzeit vier Wolfsrudel, ein Paar ohne Nachwuchs sowie vier standorttreue Einzeltiere aktenkundig. Im laufenden Jahr seien von Wölfen im Freistaat bislang 38 Nutztiere gerissen worden, die Halter hätten dafür Schadenersatz in Höhe von insgesamt rund 10 000 Euro erhalten. Diese Zahlen bewegten sich ungefähr auf Vorjahresniveau, teilte Settles mit. Schutzmaßnahmen für Nutztierherden würden vom Freistaat zu 100 Prozent gefördert, bislang seien dafür knapp fünf Millionen Euro ausgezahlt worden. Berechtigt seien Tierhalter im Umkreis von 30 Kilometern zu standorttreuen Tieren und im Umkreis von 10 Kilometern bei Rissen vermutlich durchziehender Wölfe.

Förderkulisse ausweiten

Wegen des großen Aktionsradius vor allem revierungebundener Wölfe forderte Christian Hirneis (Grüne), die Förderkulisse auf ganz Bayern auszudehnen. Zudem müsse die Ausbildung zur Behirtung von Nutztierherden ausgeweitet werden. Hirneis betonte, dass selbst bei Übernahme der FFH-Richtlinie in nationales Recht die Schaffung "wolfsfreier Gebiete" nicht möglich wäre. Florian von Brunn (SPD) erklärte, Weidewirtschaft sei mit der Existenz von Wölfen vereinbar. Dies zeige das Beispiel Schweiz. Sich artuntypisch verhaltende "Problemwölfe" dürfte ohnehin entnommen werden. Der CSU-Abgeordnete Eric Beißwenger bezeichnete die Politik gegenüber dem Wolf als "naiv". Man werde die Probleme allein mit Herdenschutz nicht in den Griff bekommen. Ähnlich äußerte sich Benno Zierer (Freie Wähler). Er wolle "kein eingezäuntes Bayern". Der Wolf passe nicht in landwirtschaftlich genutzte Gebiete, deshalb seien "vernünftige Entnahmen" notwendig.

Ingo Hahn (AfD) sprach in der Debatte sich dezidiert für "wolfsfreie Gebiete" aus. Sein Fraktionskollege Christian Klingen trat dagegen für verbesserten Herdenschutz ein. Christoph Skutella (FDP) aus Weiden verlangte vor allem eine fundierte Datenbasis, um auf dieser weitere Entscheidungen zum Wolfsmanagement im Freistaat treffen zu können.

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Bärnau25.10.2021
Hintergrund:

Wölfe in der Oberpfalz

Von den in Bayern registrierten Tieren lebt ein Rudel im Manteler Forst. Dazu kommen ein "kinderloses" Paar auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und ein Einzeltier auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. In der Nachbarschaft leben zwei Rudel im Bayerischen Wald und eines im Veldensteiner Forst sowie ein Einzeltier im Altmühltal. (jum)

 
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