02.04.2019 - 12:04 Uhr
HirschauDeutschland & Welt

Preisdruck macht Conrad zu schaffen

Der Billig-Boom im Netz stellt Conrad vor Probleme. Das zeigen die nun veröffentlichten Zahlen für 2017. Eine neue Strategie soll das Unternehmen entlasten. Dem fiel nun ein bekannter Conrad-Service zum Opfer.

Die Conrad-Filiale in Wernberg
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Conrad Eletronic SE hat im Bundesanzeiger Zahlen für das Jahr 2017 veröffentlicht - und durchaus kritisch bewertet. Zwar bleibe der Umsatz stabil und die Eigenkapitalquote mit über 70 Prozent herausragend. Gleichzeitig hält Conrad fest, dass Wachstumsziele verfehlt wurden. Nicht völlig klar scheint zudem die Strategie.

Die Conrad Electronic SE hat 2017 1,07 Milliarden Umsatz erzielt, 1,3 Millionen Euro mehr als 2016. Der Jahresüberschuss wuchs noch deutlicher von 12,2 auf 20,2 Millionen Euro. Betrachtet man aber das aussagekräftigere Betriebsergebnis, fällt ein Rückgang von 26,8 auf 9,8 Millionen Euro auf. "Die Lage des Unternehmens ist nach wie vor gut. Allerdings konnten die Umsätze nicht wie erwartet gesteigert werden, und das Betriebsergebnis ist gegenüber unseren ursprünglichen Erwartungen zurückgegangen", schreibt Conrad zum Jahresabschluss 2017.

Klar scheint die Ursache der Schwierigkeiten: "Handelsspannen sind im Verdrängungswettbewerb unter ständigem Druck", erklärt Conrad-Sprecherin Laura Iaccarino. Im Jahresbericht lässt sich der Druck an sinkenden Deckungsbeiträgen ablesen. Das Verhältnis von Umsatz zu Materialaufwand sinkt seit Jahren, zuletzt von 26,6 auf 25,5 Prozent. Weil auch die Mitarbeiterzahl bezogen auf Vollzeitstellen von 2155 auf 2107 sank, gingen auch die Personalkosten zurück. Den Margendruck fängt dies nicht auf.

Der Preisdruck sei "auf das sich ändernde Konsumentenverhalten zurückzuführen, bei dem der Preis zu einem entscheidenden Kauffaktor geworden ist", erklärt Iaccarino. Weil sich Preise einfach vergleichen lassen, hat Conrad ein Problem, vor allem weil die Hirschauer auf Qualität setzen: Conrad bietet auf seiner Plattform nur "ISO-zertifizierte oder von Conrad geprüfte Marktteilnehmer" und setzt auf "Sicherheit und Qualität". Gerade auf ausländischen Plattformen entsprechen Produkte oft nicht den gesetzlichen Vorgaben. "Im Sinne eines guten Verbraucherschutzes sehen wir auch die staatlichen Stellen und Behörden entsprechend gefordert", hält Iaccarino fest.

Das Unternehmen fahre bereits seit Ende 2017 "ein umfassendes Zukunftsprogramm", Schwerpunkt sei die Ausrichtung auf Geschäftskunden im sogenannten B2B-Bereich. Dazu gebe es Änderungen im Sortiment, beim Service und den Vertriebskanälen. Ob sich diese Strategie bereits ausgezahlt hat, bleibt offen. Fragen nach den Geschäften im Jahr 2018 lässt das Unternehmen unbeantwortet. Öffentlich machen muss es den Jahresabschluss für 2018 spätestens im Februar 2020.

Schon heute zeichnet sich eine Strategie-Irrung ab: Im Lagebericht für 2018 verweist das Unternehmen ausdrücklich auf den "Klappt Meister-Service", der "auf weitere Filialstandorte ausgerollt" werden soll. Dabei war das Montage- und Aufbau-Angebot zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts längst abgewickelt. Ende 2018 hat Conrad den "Klappt Service" geschlossen. Zur Begründung verweist Iaccarino auf "eine deutliche Veränderung des Konsumentenverhaltens". Stattdessen arbeitet Conrad mit externen Service-Anbietern zusammen, die Conrad-Filialkunden unter dem Namen "Conrad Friends powered by Mila" technische Unterstützung bieten. Wie viele Arbeitnehmer von der "Klappt"-Schließung betroffen waren, veröffentlicht Conrad nicht.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.