Hört auf die Sozialverbände, nicht auf die Sonntagsredner

Der Armutsbericht legt immer wieder den Finger in die Wunden des vermeintlich reichen Deutschlands. Auch wenn die Oberpfalz gut abschneidet, besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit, meint Frank Werner.

Kurz vor Weihnachten legt der Paritätische Wohlfahrtsverband den "Armutsbericht" vor. Diagnose: Insgesamt geht Armut zwar zurück, aber es entstehen neue Problemregionen.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Die Zeiten, in denen Ostbayern als Armenhaus Europas bemitleidet wurde, sind längst vorbei. Die Oberpfalz und Niederbayern erlebten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einen unglaublichen Aufschwung, mit quasi Vollbeschäftigung und sehr solider wirtschaftlicher Infrastruktur. Kein Wunder, dass die Region im Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Top-Positionen belegt. Doch es lohnt sich, in der Studie genauer hinzusehen. Der demografische Faktor verheißt für die Region nichts Gutes, die Überalterung auf dem Land schreitet fort. Und die Rentner sind die größten Sorgenkinder im Armutsbericht des Verbandes. Die Armut von Senioren ist in den letzten zehn Jahren um 33 Prozent und damit so stark wie bei keiner anderen Gruppe angestiegen. Die Grundrente gehört daher zu den sinnvollsten Projekten der Bundesregierung. Grundsätzlich gilt: Wenn von Armut in Deutschland die Rede ist, geht es weniger um Hunger oder direkte Not. Armut wird in der Bundesrepublik über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe definiert. Ein Single gilt demnach mit einem Einkommen von 1035 Euro brutto monatlich als arm, ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren mit 2174 Euro. Geld, mit dem realistisch gesehen auch in der Oberpfalz kaum auszukommen ist. Steigende Mietpreise sind zum Beispiel in der Region ein zunehmendes Problem. Deshalb gilt es, lieber auf die Sozialverbände zu hören als auf die Schönwetterreden vieler Politiker. Die Umverteilung von Vermögen bleibt eine Daueraufgabe. Und es ist der beste Weg, die Gesellschaft zusammenzuhalten.

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