13.08.2018 - 18:13 Uhr
Neustadt am KulmDeutschland & Welt

Der Feiertag, kein freier Tag

Mariä Himmelfahrt teilt die Oberpfalz. Im deutlich kleineren Teil des Regierungsbezirk wird an diesen Mittwoch gearbeitet. Die Betroffenen nehmen's gefasst.

In diesen neun Kommunen wird am Mittwoch gearbeitet
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Gerecht klingt das nicht: Von rund 450 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Oberpfalz haben am heutigen Mittwoch alle frei - bis auf etwa 2294 (Stand Dezember 2017) Für sie und ihre 363 Betriebe gilt der Feiertag Mariä Himmelfahrt ganz einfach nicht. Ihre Arbeitgeber haben den Firmensitz in einer von neun Oberpfälzer Gemeinden mit überwiegend evangelischer Bevölkerung. Und von den 223 Gemeinden und 3 kreisfreien Städten im Regierungsbezirk gilt nur in diesen 9 protestantischen Gemeinden der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt als ganz normaler Arbeitstag.

Auffällig bei der Verteilung dieser Sonderfälle: Alle neun betroffenen Kommunen liegen im fränkisch-oberpfälzischen Grenzgebiet. Acht Gemeinden zählen dabei zum Landkreis Amberg-Sulzbach, westlich von Sulzbach-Rosenberg. Dazu kommt die Stadt Neustadt am Kulm, die heute Teil des Landkreises Neustadt/WN ist, lange aber zum protestantischen Markgrafentum von Bayreuth zählte. Deshalb führt die kleinste Stadt der Oberpfalz bis heute das Dasein einer protestantische Enklave in der sonst stark katholisch geprägten Region um den Rauhen Kulm.

Die vermeintliche "Ungerechtigkeit" sei allerdings überhaupt kein großes Thema unter den betroffenen Beschäftigten, sagt Armin Reiß. Seit dem Jahr 2000 führt er das Unternehmen "CAD - Graphics & more" in Edelsfeld, das sich auf die gestalterische Bearbeitung von Acryl und anderen Kunststoffen spezialisiert hat. "Es ist halt so", sagt Reiß nun auf die Frage, was er vom Sonderstatus des 15. Augusts hält. Unter seinen sieben Mitarbeitern sei der Tag kaum ein Thema. "Wer unbedingt frei braucht, nimmt eben Urlaub."

Aus unternehmerischer Sicht sei es natürlich ein Vorteil, dass er für die Lohnzahlung an diesem Tag auch eine Gegenleistung erhält. Anderseits: "Der eine zusätzliche Arbeitstag alleine ist nicht entscheidend für den Erfolg." Insgesamt fände Reiß eine einheitliche Regelung dennoch besser, weil es zum Beispiel Kunden schwierig zu vermitteln sei, weshalb sein Betrieb arbeitet, andere aber nicht.

Ähnlich gleichmütig sieht Armin Brauner, dass er am Mittwoch arbeiten muss. "Als selbstständiger Handwerker arbeite ich ohnehin sieben Tage die Woche für meinen Betrieb", erklärt der Ofenbauer aus dem Königsteiner Ortsteil Kürmreuth. Der Arbeitsaufwand für Selbstständige sei in den vergangenen Jahren eher nochmals angestiegen, sagt der 58-Jährige. Und besonders an solche Feiertagen wie Mariä Himmelfahrt zeige die Erfahrung, dass noch mehr Anfragen zu bearbeiten seien. "Weil dann meine Kunden eben Zeit haben." Kein Wunder also, dass Brauner sich keine Gedanken darüber macht, wie gerecht die Feiertagsreglung am 15. August nun ist.

Angemerkt:

Unternehmer Armin Reiß hat schon recht: Es gibt größere Probleme als die seltsame Teilung Bayerns, für die Mariä Himmelfahrt diesen Mittwoch wieder sorgen wird. Allerdings dürften sich andererseits wenige Probleme so einfach lösen lassen. Wieso also kann der 15. August nicht ein bayernweiter Feiertag werden?

Die wirtschaftlichen Auswirkungen halten sich in Grenzen. Dafür fallen Verwirrung und Wettbewerbsverzerrung weg, wenn Betriebe überall in Bayern geschlossen hätten. Auf keinen Fall zieht noch das Argument, nur Katholiken brauchen frei, um ihren Festtag zu begehen. Denn auch am Mittwoch wird es so sein: Der längste Pilgerstrom wird nicht zur Kirche ziehen, sondern in Richtung Frankens Einkaufsmetropolen.

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