12.01.2021 - 17:25 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Intendant Reinhardt Friese: "Theater wird auch diese Pandemie überstehen"

Der Kultur-Lockdown geht auch am Theater Hof nicht spurlos vorbei. Doch trotz verschlossener Türen bleibt Intendant Reinhardt Friese optimistisch. Er hat schon konkrete Pläne für die Zeit danach.

Die Musikrevue "Walk on the wild side" hat die Generalprobe hinter sich und soll - wenn es die Pandemie zulässt - am 5. März Uraufführung am Theater Hof feiern.
von Holger Stiegler (STG)Profil

„I see the bad moon arising, I see trouble on the way“: Der „schlechte Mond“, der da aufgegangen war und von Creedence Clearwater Revival 1969 besungen wurde, legte sich mit Beginn der Corona-Pandemie symbolisch über das kulturelle Leben. Dennoch steht ein sechsköpfiges Ensemble des Theaters Hof auf der Bühne und schmettert den bekannten Hit – und noch 25 weitere Songs der 60er und 70er Jahre.

Generalprobe ist angesagt für die musikalische Revue „Walk on the wild side. Ein Konzert im Moonlight Motel“, die künstlerische Gesamtleitung liegt bei Reinhardt Friese. Er ist nicht nur der Regisseur des Stücks, sondern auch Intendant des Theaters Hof. „Momentan dürfen wir zwar nicht spielen, aber: Wir halten uns permanent spielbereit, und sobald es die Corona-Situation und die Vorgaben der Staatsregierung zulassen, wird sich unser Vorhang sofort wieder öffnen“, sagt Friese im Gespräch mit der Kulturredaktion.

Wiener Blut und Mutter Courage

Theoretisch könnte man am Tag nach dem Lockdown-Ende spielen. Alle Stücke, die bisher in der laufenden Spielzeit ausgefallen sind, werden zu sehen sein – die Bandbreite reicht vom Musical „Chicago“ über die Operette „Wiener Blut“ bis hin zu den Schauspielen „Kanzlist Krehler“ und „Mutter Courage“.

Noch ist das Theater Hof eine 23-Millionen-Euro-Baustelle. Zum Start der Saison 2021/2022 soll die Kultureinrichtung generalsaniert sein.

„Ich rechne fest damit, dass wir spielen werden“, betont Friese. Natürlich könne aktuell niemand sagen, wann die Premieren stattfinden. „Aber sie werden kommen, wenn man nicht daran glaubt, müsste man sich die Sinnfrage stellen“, so der Intendant. Er bekennt, dass er nicht unbedingt vor Ende Februar mit dem Restart auf der Bühne rechnet. „Und ich gehe davon aus, dass es dann erst ein Herantasten wird und der Saal nicht komplett gefüllt ist“, so Friese. Für das Theater Hof ist die aktuelle Spielzeit 2020/21 eh äußerst ungewöhnlich – und das nicht nur wegen Corona. Die Stadt Hof lässt das Gebäude, die Haus- und vor allem die Bühnentechnik im Studio und Großen Haus wieder in einen zuverlässigen und sicheren Zustand bringen – eine Generalsanierung mit geschätzten Gesamtkosten in Höhe von knapp 23 Millionen Euro. Die aktuelle Theatersaison mit den großen Produktionen hätte eigentlich von Beginn an in einer Ersatzspielstätte über die Bühne gehen sollen – in der sogenannten „Schaustelle“, einer Leichtbauhalle, die direkt am bestehenden Theatergebäude angeschlossen wurde. Mehrere verschiedene Baumängel hatten aber dazu geführt, dass die „Schaustelle“ letztlich erst unmittelbar vor dem neuerlichen kulturellen Lockdown Ende Oktober 2020 eröffnet wurde.

Der gebürtige Mainzer Reinhardt Friese ist seit der Spielzeit 2012/13 Intendant am Theater Hof. Zuvor war er bereits für über 130 Inszenierungen in Musiktheater und Schauspiel verantwortlich.

Das generalsanierte Haus ist für den Intendanten vorerst noch recht abstrakt. „Wir konzentrieren uns darauf, dass wir auf alle Fälle möglichst oft und viel in der Schaustelle spielen“, betont Friese. Wenn alles im Zeitplan bleibt, dann soll die Saison 2021/22 im erneuerten ursprünglichen Theater eröffnet werden.

Den Queen-Klassiker „Another one bites the dust“ singen die drei Damen auf der Bühne, die Musikrevue „Walk on the wild side“ nimmt die Zuhörer mit auf eine fantastische Reise durch die Musikgeschichte. Für das Theater Hof ist der Titel allerdings nicht programmatisch, denn die Kultureinrichtung ist weit davon entfernt, „ins Gras zu beißen“. Aber sie muss reagieren und sich von einigen liebgewonnen Dingen verabschieden. „Die beiden geplanten Produktionen Blues Brothers und Der Mann von La Mancha, für die bisher noch nicht geprobt und noch keine Bühnenbilder gebaut wurden, müssen in dieser Saison leider entfallen“, so der Intendant. Das seien schmerzliche Dinge, aber man müsse mit den vorhandenen Geldern gut umgehen und eine Schieflage vermeiden. „Und eines ist auch klar: Unbegrenzt lässt sich der aktuelle Zustand nicht durchhalten“, so Friese.

Trotz der aktuell unerfreulichen Situation und der kurzfristigen Absagen – erst bis einschließlich 11. Januar, nun bis einschließlich 31. Januar – lässt sich Friese den Optimismus nicht nehmen: „Theater gibt es seit über 2000 Jahren und wird auch diese Pandemie überstehen!“

Hoffen auf den 5. März

Dass das Hofer Theaterpublikum im Zuge der Pandemie wegbricht, kann sich der Intendant nicht vorstellen. „In vielen Gesprächen wird ziemlich deutlich, dass den Leuten das Theater fehlt. Unterhalten, berühren, emotional ansprechen, intellektuell anregen, mit anderen Zuschauern verbunden sein – das schafft nur das Live-Theater“, stellt Friese fest. Deswegen steht der Premierentermin von „Walk on the wild side“ – übrigens eine Uraufführung – für 5. März 2021 ganz fest im Spielplan: Und vielleicht gilt zu diesem Zeitpunkt das „Halleluja“ Leonard Cohens aus der Inszenierung ein Stückweit für die gesamte Kulturbranche.

Theater Hof: Feurige Liebe in kühlem Rahmen

Hof an der Saale
In Leichtbauweise wurde direkt neben der Baustelle die "Schaustelle" errichtet: Wenn Corona nicht wäre, würde hier reges Kulturleben herrschen.
Hintergrund:

Theater Hof

  • Das Theater Hof wurde 1949 als Städtebundtheater neugegründet,
  • 1994 bezog man den Neubau in der Kulmbacher Straße. Das Theater unterhält eigene Ensembles im Schauspiel, Musiktheater und Ballett.
  • Als vierte Sparte nimmt seit der Spielzeit 2014/15 das Junge Theater Hof einen sehr hohen Stellenwert. Mit seinen Produktionen gastiert das Theater neben seinem Stammsitz auch an anderen Spielorten in Bayern und darüber hinaus.
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