Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat am Freitag für Bayern eine Sieben-Tages-Inzidenz von 224,4 gemeldet. Damit wurde der bisherige Höchststand vom 20. Dezember 2020 übertroffen. Damals lag die Inzidenz bei 217,8. Besonders betroffen ist weiterhin der Südosten Bayerns. Mit einer Inzidenz von 645 ist der Landkreis Mühldorf nach den LGL-Zahlen weiter bundesweiter Spitzenreiter, gefolgt von den Landkreisen Miesbach (566) und Traunstein (548). In der Region gibt praktisch keine freien Intensivbetten in den Krankenhäusern mehr. In Oberfranken schwanken die Inzidenzen zwischen 339 im Landkreis Kronach und 50 in der Stadt Bayreuth.
Die Städte und Landkreise im Südosten Bayerns haben als Reaktion auf die sich zuspitzende Lage in einer gemeinsamen Aktion ihre Maßnahmen im Kampf gegen Corona verschärft. Dort gilt ab sofort in Supermärkten, Geschäften und Freizeiteinrichtungen sowie in Bussen und Bahnen wieder eine FFP2-Maskenpflicht. Außerdem wird nach der 2G-Regel der Zutritt für Ungeimpfte in Clubs und Diskotheken untersagt. Ein negativer PCR-Test ersetzt dort den Nachweis der Impfung oder der überstandenen Erkrankung nicht mehr.
Sondersitzung für weiteres Vorgehen
Als Reaktion auf die aktuelle Entwicklung berief Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das bayerische Kabinett für kommenden Mittwoch zu einer Sondersitzung ein. Dort soll das weitere Vorgehen beschlossen werden. "Wir stehen vor einem schweren Winter, es könnte der schwerste in dieser Herausforderung werden", sagte Söder nach einer Sitzung des CSU-Parteivorstandes in München. Ziel der zu beschließenden Maßnahmen sei es, die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs und eine stabile Versorgung in den Krankenhäusern zu gewährleisten. Man plane ein regional abgestuftes Konzept auch bezüglich der "Krankenhaus-Ampel" und eine Neufassung der Definition für Corona-Hotspots. Einen allgemeinen Lockdown schloss Söder erneut aus.
Verschärfte Maßnahmen
Als mögliche Maßnahmen nannte Söder neben der Maskenpflicht im Schulunterricht Verschärfungen bei den Zugangsregeln zu Einrichtungen nach dem Vorbild der Kommunen in Südostbayern. Eine bayernweite Einführung der 2G-Regel sei dabei nicht geplant. Es wäre nicht richtig, diese etwa in Hof oder Wunsiedel einzuführen, wo die Fallzahlen vergleichsweise niedrig und die Impfquote hoch seien, erklärte Söder. Diskutiert werden soll aber eine Verlängerung der Frist zum "Freitesten" aus einer angeordneten Quarantäne von fünf auf sieben Tage sowie eine "massive Erhöhung der Kontrolldichte" zur Einhaltung der 3G- und 2G-Regeln.
Endlosschleife verhindern
Ergänzend kündigte Söder einen neuen Anlauf zur Erhöhung der Impfquote an. "Ohne höhere Impfquote kommen wir in eine Endlosschleife", sagte er. Jeder müsse hier seiner Vorbildfunktion gerecht werden, zum Beispiel auch Profi-Fußballer. Er spüre derzeit eine "doppelte Unzufriedenheit" in der Bevölkerung - zum einen der Geimpften über die Ungeimpften und zum anderen bei Medizinern und Pflegekräften in den Krankenhäusern. Diese verstünden nicht, warum sie wegen der überwiegend Ungeimpften in den Kliniken die Hauptlast der Pandemie tragen müssten. Für bereits Geimpfte plane man eine Kampagne zur Drittimpfung, teilte Söder mit. Man wolle diese "breitflächig" und nicht an Altersgrenzen gebunden empfehlen. Die so genannte "Booster"-Impfung bringe ein zusätzliches Maß an Sicherheit.















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