Köln
07.03.2026 - 19:15 Uhr

Julian Barnes: „1984“ jetzt Realität

Ein Anfang und ein Ende: Julian Barnes hat die diesjährige Lit.Cologne eröffnet und sich gleichzeitig von seinem Publikum verabschiedet. Dazwischen kommentierte er den aktuellen Zustand der Welt.

Der britische Schriftsteller Julian Barnes hat das Literaturfestival Lit.Cologne eröffnet. Bild: Thomas Banneyer/dpa
Der britische Schriftsteller Julian Barnes hat das Literaturfestival Lit.Cologne eröffnet.

Der britische Schriftsteller Julian Barnes sieht die pessimistische Zukunftsvision von George Orwell aus dem Roman „1984“ Wirklichkeit geworden. Im Jahr 1984 selbst hätten noch alle gesagt, dass es ja Gott sei Dank doch nicht so gekommen sei, wie Orwell es sich 1948 ausgemalt habe, sagte Barnes bei der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Lit.Cologne. Jetzt aber sei Orwells Dystopie einer von drei paranoiden, tyrannischen Machtblöcken beherrschten Welt tatsächlich Realität. „China, Russland, Amerika. Dadurch ist es umso wichtiger, dass Europa überlebt und stark bleibt und nicht auseinanderfällt“, sagte Barnes - ein erklärter Brexit-Gegner - mit Blick auf die Europäische Union.

Trump hat Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs

Europa habe jetzt Putin auf der einen und den „verrückten orangenen Mann“ auf der anderen Seite, sagte Barnes bei der Auftaktveranstaltung des Literaturfestivals, die er zusammen mit Ex-Vizekanzler Robert Habeck bestritt. Über Donald Trump sagte er: „Hat es jemals einen Politiker gegeben, der so ignorant ist und die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs hat?“ Er sei sich darüber im Klaren, dass er nach dieser Aussage bei seinem nächsten Einreiseversuch in die USA vermutlich von der Homeland Security festgenommen werde. 

Der 80 Jahre alte Barnes las in Köln aus seinem neuen Buch „Abschied(e)“, von dem er in Anbetracht seiner Krebserkrankung sagt, dass es sein letztes sei. Er wurde mit Standing Ovations vom Publikum verabschiedet.

© dpa-infocom, dpa:260307-930-783468/1

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