Juristin rügt Medien

Die Rechtswissenschaftlerin Nadine Klass hält "Fahndungsaufrufe" mit Fotos vermeintlicher Gewalttäter für bedenklich.

Blick in einen verwüsteten und geplünderten Drogeriemarkt im Hamburger Schanzenviertel. Während des G20-Gipfels in der Stadt war es im Juli 2017 auch zu Plünderungen gekommen.
von Agentur EPDProfil

"Der Pranger ist ein Instrument des Mittelalters, das keine Renaissance erfahren sollte", sagte Nadine Klass, die Jura-Professorin an der Uni Mannheim ist, beim Presserechtsforum in Frankfurt am Main. Dies gelte besonders, wenn bei sogenannten "Fahndungsaufrufen" einzelne Personen und nicht Gruppen hervorgehoben würden wie im Fall der 17-Jährigen, die bei den G20-Krawallen in Hamburg im Sommer 2017 Gegenstände aus einer Drogerie gestohlen haben soll.

Die "Bild" hatte ein Zoom-Foto des Mädchens veröffentlicht. Auch die Berliner Rechtsanwältin Stefanie Schork äußerte sich kritisch. Mit derartigen Fahndungsaufrufen maße sich die Presse Kompetenzen an, die der Gesetzgeber ausschließlich den Strafverfolgungsbehörden zugewiesen habe. Es gehe in solchen Fällen nicht um Berichterstattung, sondern um Skandalisierung. "Die Presse kann nicht einfach auf Bürgerwehr machen und sich dann nicht an Grundsätze der Verdachtsberichterstattung halten", so Schork.

Dagegen erklärte der Hamburger Rechtsanwalt Gerald Neben, es habe sich im Fall der 17-Jährigen um Tatsachen-Berichterstattung gehandelt. "Die Szenerie dort war wie eine Bühne, ausgeleuchtet von Polizeischeinwerfern", sagte Neben, der unter anderem die Verlage Bauer und Axel Springer in presserechtlichen Verfahren vertreten hat. "Da reicht dann die bloße Anwesenheit, um Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses zu sein." Zudem gehöre die Verfolgung solcher Rechtsverstöße zum öffentlichen Interesse.

Das Landgericht Frankfurt erklärte die Berichterstattung der "Bild" über die 17-Jährige 2017 für unzulässig. Zuvor hatte auch der Deutsche Presserat den "Bild"-Artikel "Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?" missbilligt.

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