Keine Klischees vermitteln

Der Mann mit dem sperrigen Namen und dem sperrigen Liedgut im Repertoire ist der vermutlich unterschätzteste Liedermacher – was sag’ ich: Poet! – deutscher Zunge.

Manfred Maurenbrecher zählt zu den wichtigsten deutschsprachigen Liedermachern. Auf seiner aktuellen Tour kommt er auch ins Kunsthaus nach Waldsassen.
von Autor MFGProfil

In den 80er Jahren glaubte auch die große Major-Mama CBS, eines der einflussreichsten Plattenlabels der Welt an ihn. Die CBS (heute Sony), nahm Manfred Maurenbrecher unter Vertrag und ließ ihn das machen, was er so gut kann: sperriges Liedgut eben, gemurmelt in tiefem Bass, das manch einer Blues nennt – originell, einzigartig, abenteuerlich.

Keine Besserwessi-Lyrik wie bei Kunze, kein sentimental-verklärter Schmonz wie bei Grönemeyer, kein Underdog-Kalkül wie bei Westernhagen. Da war einfach nur ein ziemlich beleibter Mann, der das Leben genießt und spannende Geschichten aus der Nachbarschaft erzählt.

So verwunderte es nicht, dass die CBS lediglich drei Alben mit diesem Original machte und kaum etwas davon verkaufte – Maurenbreches ruppiges Organ ist nicht geeignet für schläfrig-machende Radiostationen, seine Texte erzählen nicht von Liebe und Triebe (oder irgendwie doch...), zumindest nicht in der allgemein angesagten, naiv-provokanten Art. Manfred Maurenbrecher leuchtet vielmehr mit jedem neuen Song ganz tief in seine Seele hinein – und holt dann mühselig das beste davon heraus, nicht selten anstrengend für den Hörer.

Nach der Trennung von CBS machte Maurenbrecher all die Jahre hindurch unbeirrt mit seinem ureigenen Zeug weiter, die Stimme klang immer noch wüster und die Labels, auf denen er veröffentlichte, wurden immer noch kleiner. „Doch von meinem Scheiß“, sagt Maurenbrecher und lacht kehlig, „kann ich ordentlich leben. Sogar eine Frau und meinen Sohn bringe ich damit ganz gut durch.“

Und weil das so ist, hat der dicke Mann mit dem Herzen so groß wie ein Güterbahnhof einmal mehr eine CD aufgenommen, „Flüchtig“. Ebenfalls gerade in den Handel gekommen ist der neue Roman „Grünmantel“ (224 Seiten, 20 Euro, bebra-Verlag), eine spannend-subtile Schnurre, die in einem fiktiven Ort an der deutsch-polnischen Grenze spielt – Maurenbrecher und Gattin pendeln seit Jahren mit Begeisterung zwischen Berlin und Uckermark.

Außerdem ist der Vollblut-Künstler ab sofort wieder auf großer Tour quer durch die Republik, was ihm hoffentlich ein paar weitere Fans verschaffen wird. „Na ja“, raunzt der Mann, „ich muss Geld verdienen, ich brauche die Kohle. Muss schließlich essen“, lacht er und klopft sich dabei auf den drallen Bauch. Am Samstag, 6. April (19.30 Uhr), spielt er im Kunsthaus in Waldsassen.

ONETZ: Warum haben Sie das Wort „Flüchtig“ als Titel für Ihr aktuelles Album gewählt?

Manfred Maurenbrecher: Manfred Maurenbrecher: Weil es einen immens großen Interpretations-Spielraum bietet, von positiv bis negativ. Zum einen ist damit eine klassisch-philosophische Definition gemeint, also: Unterwegs zu sein, sich auf Abenteuer einzulassen. Seit 2015 gibt es auch eine negative Auslegung des Begriffs, wegen Millionen von Menschen, die unfreiwillig auf der Flucht sind. Überhaupt wird die „Flucht“ eines der grundlegenden Themen der nahen Zukunft sein.

ONETZ: Wie wichtig ist Ihnen das Reisen, wie inspirierend fürs Werk?

Obwohl ich glücklich verheiratet bin und einen erwachsenen Sohn habe, mache ich mich immer wieder gerne alleine auf die Socken, etwa in osteuropäische oder mittelamerikanische Länder. Ich genieße es, an einem exotischen Platz zu sein, die Sprache dort nicht zu verstehen und einfach zu beobachten. Irgendwann komme ich dann mit den Leuten um mich rum in Kontakt. Das liebe ich. Und prägt immer wieder meine Verse.

ONETZ: Ihre Texte changieren zwischen Politischem und Persönlichem …

… wobei ich nie einen großen Unterschied gemacht habe. Politische Themen müssen Hand in Hand gehen mit Melancholischem, Romantischen, Persönlichem. Sonst mangelt es ihnen in der Kunst an Überzeugungskraft.

ONETZ: Wie wichtig ist Ihnen, in Ihren Arbeiten politisch klar Stellung zu beziehen?

Was ich noch nie gemacht habe: Phrasen aus den Medien zu wiederholen, mich einseitig auf eine Seite zu schlagen. Stattdessen recherchiere ich viel in alle Richtungen, ehe ich einen Text zu einer bestimmten Situation der Jetztzeit schreibe. Ich möchte nicht auf Klischees reinfallen. Und meinen Hörern oder Lesern auch keine Klischees vermitteln. Ansonsten sehe ich unsere Existenz als großes Spiel.

ONETZ: Was ist live von Ihnen am 6. April im Kunsthaus zu erwarten?

Ein Klavier. Ein singender Mann. Zwischenansagen zu den Liedern. Und hoffentlich ein vergnüglicher wie anregender Abend für alle Beteiligten.

Info:

Karten

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 www.nt-ticket.de und Abendkasse

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.