09.10.2026 - 08:41 Uhr

Kidnapping-Thriller „Animals“ - von und mit Ben Affleck

Zum sechsten Mal führt Ben Affleck Regie. In „Animals“ geht es um eine Kindesentführung, aber auch um Politik, Ehe und Ehrgeiz. Affleck spielt selbst die Hauptrolle. Erst sollte es Matt Damon sein.

Das Timing ist perfekt: Mitten im aktuellen Wahlkampf in den USA bringt Ben Affleck sein sechstes Regiewerk heraus. In dem neuen Netflix-Thriller „Animals“ (Streamingstart 9. Oktober) spielt er die Hauptrolle eines Politikers, der sich um den Bürgermeisterposten von Los Angeles bewirbt. Doch die Wahlkampagne wird völlig auf den Kopf gestellt, als sein junger Sohn plötzlich verschwindet und Kidnapper ein hohes Lösegeld fordern.

Entführungs-Dramen sind beliebter Hollywood-Stoff, oft mit vorhersehbarem Ausgang, doch Affleck fesselt die Zuschauer mit unerwarteten Wendungen und komplexen, moralischen Konflikten. Was darf man dem Ehepartner verschweigen? Wie weit geht man für seine politische Karriere?

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Worum geht es?

In „Animals“ läuft vieles anders als erwartet. Der Spannung wegen wird an dieser Stelle auf große Spoiler verzichtet. Doch so viel kann man verraten: Mit Ehrgeiz und viel Geld aus der eigenen Tasche stürzt sich Mark Kimball (Affleck) in den Wahlkampf, um Bürgermeister von Los Angeles zu werden. „Ich werde nie lügen“, verspricht er in einem Wahlslogan. Affleck, der auch am Drehbuch mitwirkte, hält nicht mit zynischer Kritik an scheinheiliger Politik zurück. Kimballs feurige Versprechen - oft auf Spanisch, um Latinowähler zu gewinnen - wirken verblüffend echt.

Das Familienleben mit Ehefrau Abigail (Kerry Washington) und Sohn Denny in einer Luxusvilla sieht nur von außen perfekt aus. Das mexikanische Kindermädchen Cecilia, hervorragend von Adriana Paz („Emilia Pérez“) gespielt, ist die gute Seele im Haus. Ihr Freund Ramon (Luis Gerardo Méndez), Einwanderer ohne gültige Papiere und alleinerziehender Vater eines Sohnes, schlägt sich als Gärtner durch. Die Kimballs schlagen es aber aus, ihm einen festen Job zu geben. Das könnte ihnen im Wahlkampf den Kragen kosten.

Ein Junge wird entführt

Als Denny plötzlich verschwindet und sich ein Kidnapper meldet, gerät das scheinbar intakte Leben völlig aus den Fugen. Das Ehepaar, vor folgenreiche Entscheidungen gestellt, verstrickt sich in einem Netz von Lügen. Ein unerwarteter Plot-Twist stürzt sie in ein moralisches Dilemma.

Das eigene Vermögen hat Kimball im Wahlkampf verjubelt. Wie kann er das Millionen-Lösegeld beschaffen? Sein Wahlkampf-Manager (Steven Yeun) holt eine mysteriöse Powerfrau an Bord, die Probleme diskret aus dem Weg räumt. „Akte X“-Star Gillian Anderson spielt die eiskalte Blondine im weißen Hosenanzug, die offensichtlich nicht mit reiner Weste handelt.

Mehr als ein Thriller

Affleck, der mit dem Krimi „Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel“ (2007) sein Regiedebüt gab und mit dem Polit-Thriller „Argo“ (2013) einen Oscar für den besten Film holte (den ersten Oscar gab es zusammen mit Matt Damon 1998 für das gemeinsame Drehbuch zu „Good Will Hunting“), packt viel in „Animals“ hinein.

Ihm gehe es um eine ganze Reihe von Themen, von Politik bis zur Ehe, wie sich Menschen nach außen hin präsentieren, wie sie gerne sein möchten, obwohl sie tief im Inneren anders sind - „besonders in schwierigen Situationen“, erzählt Affleck im dpa-Interview. „Wir teilen nicht immer alles über uns selbst mit unseren Partnern.“ Und die Frage, die der Film aufwerfe, sei: Wie viel könne man teilen, wie viel teile man tatsächlich und wie viel zu teilen, sei klug, sagt der Hollywood-Star mit Blick aufs Eheleben.

Matt Damon war die erste Wahl

Apropos Ehepartner: Eigentlich wollte Affleck anfangs nur Regie führen und die Hauptrollen mit seinem engen Freund Matt Damon und seiner Ex-Ehefrau Jennifer Garner besetzen. Doch der für 2024 geplante Drehstart kam ins Stocken, als er herausfand, dass Regisseur Spike Lee und Denzel Washington mit „Highest 2 Lowest“ eine ähnliche Story über eine Kindesentführung drehten. Als Affleck ein Jahr später sein Projekt doch anpackte, war Damon bereits für „Die Odyssee“ in Beschlag genommen worden. Er sprang selbst für die Hauptrolle ein, aber sah davon ab, mit seiner Ex ein Ehepaar zu spielen. Affleck und Garner, die zusammen drei Kinder haben, hatten sich 2015 nach zehn Jahren Ehe getrennt.

Drehort Los Angeles und Migranten

Affleck war es nach eigenen Angaben wichtig, an Schauplätzen in seiner Wahlheimat zu drehen - mit Luxusvillen, Migrantenvierteln, Skid Row und dem Betonkanal des Los Angeles River, wo es am Ende zum blutigen Showdown kommt. Die mexikanischen Stars Adriana Paz und Luis Gerardo Méndez und ihre Charaktere sind wichtige Figuren. Affleck habe sie aufgefordert, am Drehbuch mitzuschreiben und ihren Blickwinkel über Migranten und Latino-Kultur einzubringen, erzählen sie im dpa-Interview.

„Mein Charakter ist etwa ein Mann, der einfach nur arbeiten will. Er möchte einen Job und er will einfach nur seine Familie beschützen“, sagt Méndez.„Auch wenn es ein Thriller ist, der unterhalten soll, spricht er doch wichtige Themen an“, meint Paz. Sie wünsche sich, dass er die Zuschauer dazu bringt, differenzierter zu denken und „mehr Mitgefühl“ zu zeigen.

© dpa-infocom, dpa:261009-930-813066/1

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