München
05.05.2020 - 20:25 Uhr

Kinosaal Internet: Das Doku-Festival München komplett online

Ein Filmfestival in Zeiten von Corona? Funktioniert. Das beweist gerade das DOK.fest, das diesmal nicht in den Kinos in München sondern im Netz über die Bühne geht. Die Kulturredaktion hat mit dem Festivalleiter Daniel Sponsel gesprochen.

"The Euphoria of Being" eröffnet in diesem Jahr unter ganz besonderen Umständen das DOK.fest. Bild: DOK.fest München
"The Euphoria of Being" eröffnet in diesem Jahr unter ganz besonderen Umständen das DOK.fest.

Wie läuft so ein Online-Filmfestival ab? Welche Chancen und welche Risiken birgt die Coronakrise für die Filmbranche? Und welche Streifen zählen zu den Highlights beim DOK.fest, das vom 6. bis 24 Mai über die Bühne geht? Festivalleiter Daniel Sponsel im Interview.

ONETZ: Das DOK.fest unter ganz besonderen Vorzeichen: Wie genau soll in Zeiten von Corona das Festival in diesem Jahr über die Bühne gehen?

Daniel Sponsel: Unser Team war in diesem Jahr vor neuen Aufgaben gestellt, weil wir das Festival neu organisieren mussten. Im Prinzip läuft es aber ganz einfach ab: Programm anschauen, Ticket kaufen, Film sehen. 121 der geplanten 159 Filme werden gezeigt, also Dreiviertel des Programms. Mich freut es, dass auch alle Preisstifter dabei sind und alle Filmpreise somit vergeben werden können.

ONETZ: Wie glauben Sie wird das Festival angenommen?

Daniel Sponsel: Mich stimmt zuversichtlich, dass gewisse Serien und Formate gesehen werden, wie nie zuvor. Außerdem haben die Leute jetzt Zeit. Und ich glaube, dass wir einen Großteil der Menschen erreichen, die ohnehin in die Kinos gekommen wären. Den meisten geht es einfach um die Filme. Viele davon werden nie wieder in Deutschland zu sehen sein. Online haben wir zudem die Chance, neue Zuschauer zu gewinnen. Bis dato musste jemand nach München fahren und ins Kino gehen.

ONETZ: Sehen Sie in der Coronakrise eher ein Risiko oder eine Chance für die Filmbranche und das Festival?

Daniel Sponsel: Die Situation hat natürlich wie das meiste im Leben zwei Seiten. Möglicherweise werden wir nicht auf den Stand von vor der Krise zurückkehren, was Produktion und Kino betrifft. Vielleicht gewinnen wir jetzt aber eine Selbstverständlichkeit von Dokumentarfilmen im Netz. Online streamen hieß bisher: Amazon Prime oder Netflix. Als Filmfestival hat man jetzt die Chance, online präsent zu sein. Wir denken schon länger darüber nach, im Internet ein kleines, feines kuratiertes Programm anzubieten, zum Beispiel einen Film des Monats. Trotzdem hoffen wir natürlich, als Festival in die Kinos zurückzukehren. Die Kinoatmosphäre, die Leinwand, das ist nicht zu ersetzen. Die Energie in einem Kino, wenn 250 Menschen gemeinsam lachen, still sind – das kann man nicht online herstellen.

Info:

Das Film-Streaming steht pro Ticketkauf ab dem ersten Startklick 24 Stunden lang zur Verfügung. Die einzelnen Filme werden nur zeitlich limitiert angeboten. Alle Infos dazu gibt es auf der Homepage www.dokfest-muenchen.de. Ein Ticket kotet 4,50 Euro, mit Kino Spende 5,50 Euro. Ein Festivalpass (All you can Watch) kostet samt einer Kino-Spende in Höhe von 3 Euro insgesamt 50 Euro.

ONETZ: Ein Festival zeichnet ja immer der Kontakt mit den Machern der Filme aus. Wie sieht es dahingehend in diesem Jahr aus?

Daniel Sponsel: Zu 80 Filmen werden wir Filmgespräche haben. Einige haben wir aufgezeichnet, einige werden live vonstatten gehen.

ONETZ: Keine faire Frage für einen Festivalleiter. Dennoch: Was sind die Highlights beim DOK.fest in diesem Jahr?

Daniel Sponsel: Sicherlich der Eröffnungsfilm „The Euphoria of Being“. Außerdem zählen „Unfit. Psychology of Donald Trump“ und „Autobahn“, bei dem es um den Bau eines Autobahnabschnitts in Nordrhein-Westfalen geht, zu den Highlights.

 
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