18.03.2019 - 18:00 Uhr
KirchendemenreuthDeutschland & Welt

Smartphone-Fasten: "Es sind so viele Momente, die ich verpasst hätte"

Zwei junge Frauen wagen das Experiment. Sie verzichten sieben Tage auf ihr Smartphone. Schwer fällt es ihnen eigentlich nicht. Doch gibt es die eine oder andere Situation, in der sie sich gewünscht hätten, ein Handy dabeizuhaben.

Zwei junge Oberpfälzerinnen verzichten eine Woche auf ihr Smartphone.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Chatten, Termine verwalten, Musikhören - das Smartphone ist längst mehr als nur ein Gerät zum Telefonieren. Maria Grünthaler, 29 Jahre aus Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach, und Diana Pelzer, 22 Jahre aus Kirchendemenreuth im Landkreis Neustadt/WN, entschieden sich in der Fastenzeit dazu, eine Woche auf ihr Smartphone zu verzichten. Grünthaler hat ihr Handy vergangenen Montag, 11. März, in den Tresor gelegt, Pelzer ihres in den Schrank. Eine Woche später am Sonntagabend bzw. Montagmorgen haben sie es wieder angemacht.

Ihr Fazit: Am Anfang war es seltsam, nach und nach haben sich die beiden Frauen aber daran gewöhnt, nicht bei jeder Gelegenheit zum Handy greifen zu können. Es sei gar nicht so schlimm, nicht ständig erreichbar zu sein. Für wichtige Telefonate und Notfälle - beide Frauen haben kleine Kinder - konnte Grünthaler auf ihr Festnetztelefon zurückgreifen. Pelzer hat sich für die Zeit ein altes Tastenhandy zugelegt: "Ich habe einen fünf Monate alten Sohn. So habe ich mich sicherer gefühlt."

Probleme im Alltag

Probleme gab es aber zum Beispiel bei der Organisation ihres Alltags. "Vermisst habe ich das Smartphone, als ich einen Termin für meinen Sohn beim Arzt ausmachen musste. Dummerweise habe ich die Telefonnummer nirgends aufgeschrieben", blickt Diana Pelzer am Montag zurück. Sie habe erst ihren Laptop aus dem Schrank holen müssen, dann die Nummer im Internet suchen. "Mit dem Handy wäre das innerhalb von ein paar Sekunden gegangen." Außerdem steckt sie mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. "Ich hatte keine Nummern mehr. Wenn mich jemand angerufen hat, wusste ich im ersten Moment nicht, wer das ist." Als Pelzer zu einem Termin fahren musste, konnte sie ihr Handy nicht als Navi benutzen. Die Lösung: Ihr Freund fuhr mit. "Alleine würde ich vermutlich immer noch nach der Adresse suchen."

Maria Grünthaler ist vor allem eine Situation aus der vergangenen Woche im Gedächtnis geblieben: "Ich bin nach Hause gefahren und direkt vor mir hat eine Frau ein Reh angefahren. Ihr Auto war komplett kaputt. Ich habe zwar angehalten, konnte ihr aber leider nicht helfen." Aber auch so habe ihr das Smartphone im Auto gefehlt: "Meine Musik läuft zu 90 Prozent über das Handy. Ich musste nun Radio hören."

Smartphone-Fasten: Das Online-Tagebuch

Edelsfeld

Schwester sorgt sich

Und obwohl beide Frauen im Vorfeld Verwandten und Freunden mitgeteilt hatten, dass sie eine Woche lang nur per Anruf erreichbar sein werden: So richtig funktioniert hat das nicht. "Ich habe mein Handy heute morgen wieder angemacht und hatte 300 Whatsapp-Nachrichten", erzählt Pelzer. Vor allem habe sich ihre Schwester beschwert. Diese habe ihr über sämtliche sozialen Netzwerke geschrieben, aber natürlich keine Antwort bekommen. "Ich hatte vergessen, ihr Bescheid zu geben. Sie dachte schon, es ist etwas passiert."

Beim Ausgehen mit Freunden ist der 22-Jährigen aufgefallen, wie oft ihr Umfeld aufs Handy schaut. "Einmal haben alle gleichzeitig auf ihr Smartphone gesehen. Ich saß ein wenig verloren daneben." Sie fragt sich, "ob sich die Leute um mich herum auch manchmal so vorkommen"?

Bei Maria Grünthaler waren es die Freunde, die erst nicht verstanden haben, dass sie nicht mehr rund um die Uhr erreichbar ist. "Die waren genervt, dass sie mich nicht überall anrufen konnten." Mit der Zeit seien einige auch "zickig" geworden, wie sie es selbst beschreibt: "Ich konnte spontan nichts ausmachen und wenn ich mich irgendwo verspätet habe, konnte ich nicht sofort Bescheid geben."

Mehr Zeit fürs Kind

Im Umgang mit ihren Kindern hingegen haben die beiden Mütter gemerkt, wie positiv sich das fehlende Handy auf den Alltag mit den Kleinen auswirkt. Beim Spielen zum Beispiel: "Ohne Handy ist mir erst aufgefallen, wie oft mich meine Tochter anschaut. Ich habe einmal mitgezählt. In 20 Minuten waren es gut 30 Mal." Auch Pelzer ist bei ihrem Sohn aufgefallen: "Es sind so viele Momente, die ich verpasst hätte, da ich ohne dieses Fasten in dem Moment wahrscheinlich auf mein Handy gesehen hätte."

Beide Frauen sind sich einig, dass sie ihrem Handy auch in Zukunft weniger Aufmerksamkeit schenken wollen. "Ich habe es heute morgen angemacht und seitdem lag es im Schlafzimmer", erzählt Pelzer am Montagmorgen. Und im Hause Grünthaler gibt es sogar eine neue Regel: "Mein Mann und ich haben beschlossen, wir lassen die Handys künftig nachts in der Küche liegen." Während der Fastenwoche hätten sich die beiden sowieso einen Wecker gekauft. Außerdem: Wir müssen nicht immer erreichbar sein."

Das Handy war eine Woche aus. Zwei junge Oberpfälzerinnen haben sich für das Smartphone-Fasten entschieden.

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