12.06.2019 - 16:14 Uhr
Deutschland & Welt

Klänge aus der Stille: Ernst von Siemens-Musikpreis für Rebecca Saunders

Jedes neue Werk ein Akt des Mutes, jeder Ton voll Ehrlichkeit und Wahrheit. Für ihre Musik wurde Komponistin Rebecca Saunders in München mit dem internationalen Ernst von Siemens-Musikpreis ausgezeichnet.

Komponistin Rebecca Saunders (rechts) ist in München mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis ausgezeichnet worden. Peter Ruzicka, Stiftungsratsvorsitzender und Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, überreichte ihr die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung, die auch als „Nobelpreis der Musik“ gilt.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Peter Ruzicka, Stiftungsratsvorsitzender und Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste, überreichte die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung bei einem musikalischen Festakt im Prinzregententheater in München.

Die Komponistin Rebecca Saunders, 1967 in London geboren, beschrieb ihre Arbeit einmal als einen Versuch, Klänge aus einer Oberfläche scheinbarer Stille zu lösen und zu formen. Mit dem Preis, der gelegentlich als "Nobelpreis der Musik" bezeichnet wird, würdigt die Ernst von Siemens-Musiksstiftung das Wirken im Dienste der zeitgenössischen Musik. Die Preisverleihung endete mit einem außergewöhnlichen Schlusspunkt: Das in Köln ansässige Ensemble Musikfabrik, mit dem Saunders seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet, spielte unter Leitung von Enno Poppe ihr Stück "Skin" (2016) für Sopran (Juliet Fraser) und 13 Instrumente. Die sprichwörtlich "leichte Kost" war es nicht, die die Interpreten auf klassischen Instrumenten, großem Schlagwerk sowie mit Akkordeon und E-Gitarre lieferten. Doch wer das Gehörte und Erlebte auf sich wirken lässt und sich mit dieser Art von Musik länger beschäftigt, mag einen Zugang zu dieser vermeintlich eigenartigen Klangwelt erhalten.

Dabei halfen auch die Gedanken von Marco Blaauw. Er hielt die Laudatio auf die in Berlin lebende Preisträgerin. Mit ihr pflegt der Trompeter aus den Niederlanden seit über 20 Jahren eine enge musikalische Zusammenarbeit. Beim Hören von Rebecca Saunders Musik seien grundlegende und unverwechselbare Eigenschaften ihrer Sprache erkennbar, vorhanden seit dem frühesten Anfang ihres Schaffens. Die Werke seien stark von Samuel Becketts Prosa beeinflusst. "Wenn sie über Becketts intensiven lyrischen Stil spricht, ist es, als würde sie ihre eigene Musik beschreiben." Jedes neue Werk scheine ein Akt des Mutes zu sein, Fragen zu finden, die den menschlichen Zustand umkreisen, der zerbrechlich und fehlbar sei. "Es gibt in ihrer Musik eine Ehrlichkeit und Wahrheit, die nicht unbedingt immer schön ist."

Vor der Verleihung des Musikpreises an Rebecca Saunders sind die Komponisten-Förderpreisträger Anneley Black (Kanada), Ann Clear (Irland) und Mithatcan Öcal (Türkei) ausgezeichnet worden. Die Urkunden überreichte Thomas Angyan, Kuratoriumsvorsitzender der Ernst von Siemens-Musikstiftung und Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde Wien. Die Auszeichnung für vielversprechende junge Komponisten ist jeweils mit 35.000 Euro dotiert und wird ergänzt durch die Produktion einer Porträt-CD.

Ernst von Siemens Musikpreis :

Die Ernst von Siemens Musikstiftung vergibt im Jahr 2019 insgesamt 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern. Der größte Teil finanziert und unterstützt Aufträge an Komponisten, „die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen, bis hin zu den etablierten“, so in der Pressemitteilung. „Wille und Mut der Geförderten zum Perspektivwechsel verbindet sich mit der Intention, die Vielgestaltigkeit und Relevanz zeitgenössischer musikalischer Ausdrucksformen auch einem unerfahrenen Publikum zu vermitteln – ganz im Sinne des Stifters Ernst von Siemens.“

Jener habe die Bereitschaft, sich auf die Schönheit des Unerhörten einzulassen, fördern wollen. Frühere Ernst von Siemens Musikpreisträger seit 1974 sind unter anderem Leonard Bernstein (1987), Claudio Abado (1994), Anne-Sophie Mutter (2008) und Mariss Jansons (2013).

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