25.05.2018 - 16:25 Uhr

Klaus Schulze im Interview: Elektronik für die Ewigkeit

Wer sich mit Klaus Schulzes Musik zurückzieht und ihnen intensiv lauscht – der wird als anderer Mensch in die Realität zurückkehren. Man erkennt: Schulze hat sein Leben lang berauschende Elektronik für die Ewigkeit geschaffen.

Klaus Schulze erläutert im Interview, wie er seine Musik komponiert. Universal Music
Klaus Schulze erläutert im Interview, wie er seine Musik komponiert.

Seit Klaus Schulze am 4. August vergangenen Jahres seinen 70. Geburtstag feiern durfte, ist die PR-Maschine seiner Plattenfirma beharrlich am Laufen. So erschienen seitdem elf, von Grobschnitt-Schlagzeuger und -Produzent Eroc neu gemasterte, Vinyl-Platten aus dem umfangreichen Katalog des Elektronik-Magiers, am 2. Februar nochmals so viele. 20 Scheiben sind zwischen 1972 - 1988 veröffentlicht worden, zwei davon 1996 bzw. 1997 unter dem Pseudonym "Wahnfried".

Klaus Schulze ist der Rummel um seine Person, ausgelöst durch seinen runden Geburtstag, viel zu viel, wie Gattin Elfie am Telefon ausrichten lässt. Nicht nur ist der waschechte Berliner ein eher introvertierter Mensch. Seit längerem ist er gesundheitlich angeschlagen. Trotzdem hat der Vollblut-Musiker, der bei mehr als 200 Produktionen - manche Fans sprechen gar von 500 - mitgewirkt hat, es sich zwischen Sommer und Herbst vergangenen Jahres nicht nehmen lassen, ein neues Werk aufzunehmen. Es nennt sich "Silhouettes", besteht aus vier Stücken zwischen 15 bis 22 Minuten Dauer - und reiht sich nahtlos ein in die Tradition der Schulze-Meisterstreiche wie "Moondawn", "Mirage" oder "X".

Klaus Schulze:Eigentlich nicht. Ich habe "einfach nur gemacht", weil ich dazu Lust hatte und hoch motiviert war. Aber Revolution? So wichtig ist die nun auch wieder nicht. Und in Bezug auf mich müsste es eher "Evolution" heißen, denke ich.

Das ist ein Kompliment, denn tatsächlich habe ich als einer der ersten recht früh angefangen, rein elektronisch zu arbeiten. Das hat mich einfach völlig fasziniert; auch die Technologien dahinter.

Da muss ich ehrlich sagen, das mich das gar nicht so sehr interessiert. Sich damit zu beschäftigen, ist sehr zeitaufwendig. Man muss ja abwägen, wofür man seine Zeit einsetzt. Wenn ich ein Album fertig gemacht habe, ist es abgehakt. Das höre ich mir in den nächsten zwei, drei Wochen noch ein paar Mal an und dann ist es für mich in der Regel erledigt.

Mein Sound hat einfach kein Verfallsdatum. Es sind meist epische Werke, von daher ähnlich der klassischen Musik. Vielleicht interessieren sich deswegen viele Ältere dafür. Die Jüngeren womöglich wegen der Technik, der Elektronik dahinter. Aber ich habe mich nie um Trends geschert wie andere Kollegen.

Es gibt schon solche und solche Alben bei mir. Die "Blackdance" finde ich aus heutiger Sicht nicht so gut; "Timewind" ist wieder sehr gut.... es gibt da Unterschiede. Das ist mir auch bewusst, aber deswegen da nochmals drangehen? Nein, das wäre aus der Zeit herausgenommen. Hinterher hätte man immer alles besser hinkriegen können. Aber zu der Zeit, wo ich ein Album gemacht habe, war es das Beste, was ich damals realisieren konnte.

Da es ja eine weitere Klaus-Schulze-Platte ist, eigentlich nicht. Aber wenn man die Entwicklung betrachtet, dann schon. Zum einen ist jede meiner Platten zwangsläufig der authentische Stand der jeweiligen Phase, in der ich mich befinde, denn ich bin ja nun mal ich. Zum anderen ist durch die längere Periode der Krankheit, die ich hinter mich gebracht habe, diese ganz spezielle Rückblick-Stimmung entstanden; zum ersten Mal eigentlich. Und das schlägt sich natürlich auch auf dem Album nieder.

Ja. Es ist bei mir einfach so: Ich KANN gar keine kurzen Stücke machen. Ich brauche diese Aufbauphasen, den Hauptteil, und das langsame Wieder-Abschwellen. Das ist einfach meine Art. Diese ruhigen, elegischen Stücke liegen mir sehr. Auf "Silhouettes" habe ich das jetzt endlich mal ganz ausgespielt. Ich habe langsam wieder angefangen, habe mich treiben lassen, bin den Klängen gefolgt und habe erst hinterher gemerkt, dass da beispielsweise gar keine kräftigen rhythmischen Komponenten auftauchen, wie das sonst öfters der Fall ist. Ich brauchte und wollte die gar nicht, weil ich in dem - vermeintlich - Wenigen, Sparsamen eine unglaubliche Fülle vorfand. Das mag mit der langen, ruhigen Zeit meiner Krankheit zu tun haben; das ist diese Sache mit der Reduktion aufs Wesentliche. Wenn dir klar wird, was für dich am Wichtigsten ist, wird der Rest eher nebensächlich; zum Beiwerk.

Das weiß ich selber nicht. Bei mir passiert so was über Nacht. Es gibt Tage oder Wochen, da geschieht nichts, weil mir nichts einfällt. Wenn ich das Gefühl habe, ich müsste mal wieder, dann mache ich das. Aber wenn dieses Gefühl nicht da ist, dann lasse ich es sein. Wer weiß, vielleicht fange ich ja heute Nacht mit einer neuen Platte an ... (lacht)

Die neue CD von Klaus Schulze heißt "Silhouettes" Universal Music
Die neue CD von Klaus Schulze heißt "Silhouettes"
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.