09.06.2021 - 15:16 Uhr
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Klimawandel: Beim Wein könnte Franken bald Mittelmeerlagen Konkurrenz machen

Frankens Winzer sind vor allem für ihre spritzigen Weißweine bekannt. Wegen des Klimawandels wird wohl so mancher auf mediterrane Rotweine umsatteln müssen. Und: Weinbau könnte auch außerhalb Frankens lukrativ werden.

Bei Sommerhausen hängen Weintrauben an einem Rebstock. Wegen des Klimawandels könnte sich Weinbau auch außerhalb von Franken rentieren.
von Jürgen UmlauftProfil

Der Klimawandel wird den Weinbau in Franken spürbar verändern. Traditionelle Sorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau werden wohl zunehmend durch Weine aus wärmeliebenderen Reben ersetzt. Neu eingeführt werden könnten unter anderem Rebsorten für schwere mediterrane Rotweine wie Merlot oder Sauvignon.

Zudem könnte sich das Weinanbaugebiet über die traditionellen Lagen entlang des Mains auf weitere Bereiche in Bayern ausdehnen. So zumindest lautete die Prognose der Referentin für Weinbau im Landwirtschaftsministerium, Marianne Steinschulte, vor dem Agrarausschuss des Landtags.

Immer häufiger Bewässerung am Weinberg

Schon seit einigen Jahren fällt in Mainfranken immer weniger Niederschlag, gleichzeitig erhöht sich die Verdunstung aus den Böden durch steigende Temperaturen. "Die klimatische Wasserbilanz ist seit Jahren negativ", berichtete Andreas Kolbinger aus dem Umweltministerium. Als Folge würden immer mehr Winzer über Bewässerungsanlagen nachdenken. Kolbinger betonte, dass diese prioritär nur aus gespeichertem Regen- oder Oberflächenwasser gespeist werden sollten. Trink- und Grundwasservorkommen seien zu schonen. Derzeit würden vom Freistaat finanzierte Pilotprojekte zur nachhaltigen Bewässerung von Weingärten durchgeführt.

Nach Angaben Steinschultes führt der Klimawandel nicht nur zu trockeneren und heißeren Sommern, die früher einsetzende Vegetationsphase mache die Reben auch für Spätfrost im April und Mai anfällig. Zudem würden sich bislang in Franken unbekannte Schädlinge ausbreiten. "Rebschädlinge sind Gewinner der höheren Temperaturen", sagte Steinschulte. An extrem heißen Tagen erlitten die Trauben im Sommer auch eine Art Sonnenbrand, der sich anders als auf der menschlichen Haut nicht mehr zurückbilde. Dies führe zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Hier habe sich aufgetragenes Gesteinsmehl als "Sonnenmilch" bewährt.

Weinbau auch außerhalb von Unterfranken

Insgesamt aber müssten sich die Winzer auf die Folgen des Klimawandels umfassender einstellen, betonte Steinschulte. Zum einen durch neue Rebsorten, zum anderen durch die Verlagerung von Weingärten mit den fränkischen Weißweinklassikern wie dem Silvaner auf sonnenabgewandte Nord- und Ostlagen. Derzeit wird in Bayern auf knapp 6400 Hektar Wein angebaut, der mit gut 6300 Hektar größte Teil liegt in Unterfranken.

Mit dem Klimawandel sei aber damit zu rechnen, dass sich Weinbau künftig zumindest als regionales Nischenprodukt auch in anderen Gegenden Bayerns lohne, sagte Steinschulte. Zuwächse bei der Weinbaufläche erfolgten schon heute außerhalb Unterfrankens. Trotz des Klimawandels gab Steinschulte einen optimistischen Ausblick auf den Weinbau in Bayern. Die Frage sei nicht, ob er sich weiterentwickle, sondern wohin.

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