23.05.2018 - 20:39 Uhr
Deutschland & Welt

Klotzen statt nur kleckern: Spahn muss in Vertrauen investieren

BundesgesundheitsministerJens Spahn (CDU) präsentiert sein Sofortprogramm für die Pflege.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
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Vertrauenskrise ist scheinbar das Wort der Stunde. Es passt einfach zu fast allen gängigen Themen. Denn in unsicheren Zeiten des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Umbruchs schwindet die Zuversicht. In Sicherheit, Stabilität, Zukunft - oder auch die Politik, die daraus entstehende Probleme lösen muss.

Doch "Vertrauenskrisen" bedeuten gewöhnlich leider nicht, dass nur kleine Risse gekittet werden müssen. Wenn der Begriff verwendet wird, ist das Kind oft schon in den Brunnen gefallen. Sprich: Es ist keinerlei Vertrauen mehr da. Dies gilt im Pflegebereich, in dem seit etlichen Jahren flächendeckend reduziert und eingespart wurde, mehr als irgendwo sonst. Paradox: Qualifizierte Pflegekräfte sind begehrte Mangelware, adäquat bezahlt werden aber die wenigsten. Überlastet sind alle.

Kurz: Eine Personalsituation längst am Anschlag. Jens Spahn scheint dies aber noch nicht begriffen zu haben. Sein "Sofortprogramm ab 2019" bedeutet, dass der alarmierende Ist-Zustand ein weiteres halbes Jahr andauern wird. Und dann? Einmalig 13.000 neue Pflegekräfte sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Laut Diakonie fehlen akut 60.000. 2025 werden es nach Daten aus Spahns eigenem Ministerium 200.000 sein.

Daher gilt es umfassender zu investieren - in alle Aspekte einer fachgerechten Pflege mit ausreichend vielen und gut ausgebildeten Kräften. Nur so lässt sich die Lebensqualität der jetzt schon knapp 3 Millionen Pflegebedürftigen steigern. Spahns Minimal-Paket ist ein Anfang. Um neues Vertrauen zu schaffen, ist es aber deutlich zu klein.

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