11.07.2019 - 16:46 Uhr
KohlbergDeutschland & Welt

Lieder von Sommerträumen und Seefahrt: CD mit Liedern von Beer-Walbrunn

Mit Angelika Huber (Gesang) und Lauriane Follonier am Klavier: CD "Reisebilder und Lieder" erschien zum 90. Todestag von Beer-Walbrunn (1864-1929).

von Peter K. DonhauserProfil

Die sechs "Reisebilder" op. 21 für Klavier solo sind feine Charakterstücke. Sie haben programmatische Titel (Helle Nacht, Seefahrt, Sommertraum, Fremder Harfner, Wanderung), wie sie uns auch bei Schumann (Kinder-, Waldszenen), bei Grieg (Hochzeit auf Trollhaugen) oder später Debussy (Children's Corner) und Max Reger (Aus meinem Tagebuche, Träume am Kamin) begegnen. Wie in Schumann'scher Tradition steht Beer-Walbrunn zu seinem volksliednahen Ton und entwirft kontrastreiche Bilder, alle geschrieben in klarer, oft dreiteiliger A-B-A-Form, mit blitzsauber-gründlichem Handwerk: So sind die Stücke in sich und miteinander motivisch verknüpft, nicht nur beziehungslos aufgereiht.

Angelika Huber (Gesang) und Lauriane Follonier (Klavier) haben die Lieder und Klavierstücke als Welt-Ersteinspielungen aufgenommen. Das Tonstudio van Geest realisierte ein räumlich weites, luftiges und doch klar definiertes Klangbild, der Bösendorfer Imperial tönt wunderbar weich, sanglich und farbig. Angelika Huber hat sich zu einer kompetenten und sensiblen Interpretin der Werke Beer-Walbrunns entwickelt: Ihr gehen die energisch-bestimmten Töne ebenso leicht von der Hand wie mühelos, leicht und luftig schwebende Noten. Lauriane Follonier musiziert delikat, mit hörbarem Vergnügen, mit blühender poetischer Fantasie und lebendiger Agogik.

Dramatisch das "Bergwetter" (1899) mit Blitz, Donner und Regen - da sei angemerkt, dass Kollege Richard Strauß (1864-1949) ein Jahr später erste Notizen zum Gewitter für seine spätere "Alpensinfonie" notieren wird.

Aus Beer-Walbrunns reichem Liedschaffen haben die beiden Musikerinnen Früh- und Spätwerke ausgewählt: Opus 12 mit Texten von Uhland und Graf von Schack, op. 13b/2 von Lenau (mit übersprudelnder Euphorie in der "Liebesfeier"). Ergebene Huldigung reflektiert Sigora in op. 27/2 "Du bist die Sonne meines Lebens". Aus dem abgeklärten Spätwerk in op. 59 sind Lieder nach Eichendorff vertreten: Der Einsiedler; Weihnachten (einvernehmlich dialogisierend Gesang und Klavier); Die "Heymonskinder" (mit ritterlichem Schwung, mit Witz). In der "Volksweise" op. 63/5 nach Rilke erinnert Beer-Walbrunn mit Bordunklängen an böhmische Volksmusik und scheint sogar Smetanas "Moldauthema" in Dur anklingen zu lassen.

Von den früheren Balladen nach Uhland sei besonders das von herzerfrischendem Selbstbewusstsein strotzende "Des Knaben Berglied" hervorgehoben. Bei allen Stücken der CD strahlt auch der bescheidene, oberpfälzisch-unbeirrbare Charakter des Komponisten durch, der authentisch seinen Weg ging und nie versuchte, Stile von Komponistenkollegen zu imitieren: Seine Musik klingt nach Beer-Walbrunn, nie nach Brahms, Strauss, Reger oder gar Schönberg oder Strawinsky. Weitere Infos: www.beer-walbrunn-kohlberg.de

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