27.10.2019 - 14:54 Uhr
KohlbergDeutschland & Welt

Vom Lyzeum nach Skandinavien

Zur Herbstzeit ruft der gleichnamige Kunst- und Kulturverein die Beer-Walbrunn-Tage aus. In diesem Jahr ist unter dem Motto „Volksweise“ Musik für Frauenchor angesagt. Das Vokalensemble „Femme’o’logie“ bot eine überzeugende Vorstellung.

Das Vokalensemble mit dem orthographisch sperrigen Namen "Femme'o'logie" bot auch ohne die erkrankte Dirigentin eine ansprechende bis begeisternde Vorstellung.
von Peter K. DonhauserProfil

Beachtliche 26 Chorsätze umfasst das Recital, 17 davon aus Beer-Walbrunns „Liederbuch für höhere Mädchenschulen“, das auf das Jahr 1917/18 zurückgeht. Das „Lyzeum“ repräsentierte das gängige weiterführende Bildungsangebot für „höhere Töchter“ bis Klasse zehn. Beer-Walbrunn suchte originale Werke von Kollegen aus, bearbeitete Gemischte-Chor-Literatur und schrieb eigene - fordernde, nicht überfordernde - frühromantisch inspirierte Sätze, alles für gleichstimmigen Schülerinnen-Chor. Den stilistischen und sprachlichen Kontrast des Programms bildeten exquisite romantische und moderne Werke skandinavischer Komponisten.

Klassiker im Programm

Geschmeidig-fließende Homophonie in „Christus, der ist mein Leben“ (Vulpius). Herzig: „Kindelein zart“, erfreulich unaffektiert „Jesulein zart“. Dann romantische Wald-Mystik: „Willkommen mein Wald“ (Robert Franz), „O Täler weit, O Höhen“ (Mendelssohn-Klassiker), „Wanderers Nachtlied“ (Kuhlau), allesamt elegant eingerichtet. Mit aparten Harmonien „Abendlied“ (Robert Volkmann), mit flüssigem Drive „Hebe deine Augen auf“ (Mendelssohn-Ohrwurm).

Der Anspruch der skandinavischen Chorsätze liegt teilweise beträchtlich höher, so bei „Pseudo-Yiok-Lite“ (Jaakko Mäntyjärvi, geboren 1963). Dramatisch, mit großer Klangfülle „Fürchte dich nicht“ (Mårten Jansson, geboren1965), rhythmisch weich, aber klar profiliert der Satz aus der „Suite de Lorca“ (Einojuhani Rautavaara, 1926 - 2016). Die etwas älteren skandinavischen Volksweisen waren schon Lieblinge des Epoche-bildenden Dirigenten Eric Ericson (1918 - 2013): „Zum Tanze da geht ein Mädel“ (Mehr Mut zu Virtuosität!), in wohlig-wiegendem 6/8-Takt „Vem kann segla“, melancholisch „Uti vår hage“, meditativ der Mariengesang „Kristallen den fina“.

Begeisterter Applaus

Zu Beginn wankelt das Programm etwas unentschieden zwischen Themen, weltlich und geistlich, schwedisch und deutsch, später bringen Blöcke klarere Struktur (Jesu Leben, Wald, Abend, Nacht). Hilfreich sind die im Wechsel von den Sängerinnen charmant gesprochenen Einführungen. Auch ohne die erkrankte Dirigentin Charlotte Schwenke zeigen sie - viele haben an der Würzburger Hochschule Lehramt studiert - großes Potenzial. Geschliffen die Stimmbildung, ausgesprochen homogen der Gesamtklang, bemerkenswert sauber die Intonation, kultiviert die Aussprache, souverän die Solopartien. Die vorzügliche Chorakustik der Herz-Jesu-Kirche würde auch grenzwertige Pianissimo-Klänge erlauben, die Wortausdeutung bei Strophen mit gleicher Melodie hat Entwicklungsspielraum. Begeisterter Applaus und wie oft bewährt zum Nachhauseweg „Der Mond ist aufgegangen“.

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Hilde Lindner-Hausner

Herzlichen Dank den Veranstaltern für den wunderbaren Chorabend in der Herz-Jesu Kirche in Kohlberg. Ein grandioser Chor - bewegende Frauenstimmen in allen Tonlagen. Sympatisch, erfrischend und einfühlsam vorgetragen die Erklärungen zu den Liedern. Aus Gottesdiensten der Kindheit bekannte Lieder, Melodien, dazwischen, mit Liedern wie Värmlandsvisen versetzt in die vielstimmige Lebendigkeit der Astrid Lindgren-Verfilmungen. Überraschend der spritzige finnische Pseudojodler.
Der Anton Beer-Walbrunn - Kunst- und Kulturverein würdigt den in Kohlberg geborenen Künstler und bereichert mit den Beer-Walbrunn-Tagen das kulturelle Dorfleben Kohlbergs auf schätzenswerte Art und Weise. www.beer-walbrunn-kohlberg.de

28.10.2019