24.08.2021 - 17:50 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu Afghanistan: USA zuallererst in der Verantwortung

Die EU wappnet sich gegen eine Fluchtwelle aus Afghanistan, um ein "zweites 2015" zu verhindern. Das ist zynisch, aber auch verständlich – denn handeln müssen jetzt vor allem die USA. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

US-Präsident Joe Biden hatte im April den Abzug seiner Truppen aus Afghanistan bis zum 11. September 2021 bekanntgegeben.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Am Flughafen in Kabul klammerten sich die ersten verzweifelten Menschen an die Fahrwerke von Flugzeugen - und schon betonten Politiker nicht nur in Deutschland, 2015 dürfe "sich nicht wiederholen". Auch CDU-Bundeskanzlerkandidat Armin Laschet war unter ihnen. Der erste politische Gedanke kreiste also nicht darum, wie man möglichst schnell möglichst vielen Menschen das Leben rettet, sondern darum, wie man sie sich möglichst vom Leib hält. Eine interessante Setzung der Prioritäten.

Es wäre aber eine Illusion zu glauben, die Mitgliedsstaaten der EU würden sich diesmal auf einen Verteilschlüssel für Flüchtlinge einigen. Länder wie Polen, Ungarn und Österreich denken nicht im Traum daran, jetzt plötzlich ihre Linie zu ändern. Eine "europäische Lösung" wird aber dringend gebraucht, denn dies wird nicht die letzte Fluchtwelle sein, die an unseren Grenzen brandet.

In der aktuellen Lage wäre vorrangig eine "amerikanische Lösung" vonnöten: Immerhin haben die USA 2001 das Fass in Afghanistan aufgemacht und jetzt durch ihren eiligen Truppenabzug das Drama erst ausgelöst. Also ist es zuallererst an der Biden-Regierung, sich auch um die Opfer ihres Handelns zu kümmern.

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