27.08.2021 - 19:04 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Präsident Biden, der Beschädigte

Mit dem jüngsten Anschlag vor dem Flughafen in Kabul ist ein (amerikanischer) Alptraum Realität geworden. Und Präsident Biden kann seine Mitverantwortung jetzt nicht leugnen. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Joe Biden, US-Präsident, hält inne, als er im Weißen Haus nach dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul spricht.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Mit dem für US-Präsidenten typischen Pathos und einer Wortwahl wie aus einem Western mit John Wayne hat Joe Biden auf den Terroranschlag vor dem Kabuler Flughafen reagiert. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Von einem geordneten Rückzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan kann keine Rede mehr sein, stattdessen herrscht in der Hauptstadt des Landes ein blutiges Chaos. Nicht nur die USA waren schlecht darauf vorbereitet, wie schnell die Lage eskalierte. Biden mag nicht der Präsident gewesen sein, der den Abzug beschlossen hat - das war sein Vorgänger. Aber er muss trotzdem das Desaster verantworten, in dem alles gemündet ist.

Das offizielle Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan war außer der Jagd auf die Drahtzieher von 9/11 immer die Wandlung des zersplitterten Landes in eine Demokratie nach westlichem Vorbild - das "nation building". Eine Mission, die bei allen Teilerfolgen durch den Abzug der Truppen endgültig gescheitert ist. Wenn Biden sich jetzt hinstellt und behauptet, er sei immer dagegen gewesen, für dieses Ziel einen so hohen Preis zu zahlen, sagt er die Unwahrheit. Als Senator stand er ebenso hinter dem Einsatz wie als Vizepräsident unter Barack Obama. Seine Präsidentschaft ist ohnehin beschädigt. Solche Ausflüchte beschädigen sie noch mehr..

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Grafenwöhr
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