24.11.2020 - 18:47 Uhr
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Kommentar: Söders Schnapsidee und Piazolos fehlender Mumm

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Zwischen Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo gibt es offenbar einige Unstimmigkeiten. Einer der beiden ist auf dem Holzweg, kommentiert Jürgen Umlauft.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, vor der Uniklinik Augsburg.
von Jürgen UmlauftProfil
Kommentar

Das Vorziehen der Weihnachtsferien ist eine ausgesprochene Schnapsidee. Sie widerspricht den Bekundungen, dass es in den Schulen nur ein sehr geringes Infektionsrisiko gibt. Was sendet es für ein Signal, wenn Schüler nun zwei Tage zu Hause bleiben sollen, um sich nicht mit Corona anzustecken?

Es würde ja auch nur funktionieren, wenn sie sich in echte häusliche Quarantäne begäben und die gewonnene freie Zeit nicht mit Freunden oder beim Geschenkekauf verbrächten. Eine vage Hoffnung.

Und warum überhaupt komplett schulfrei? Wenn schon, würde eine höhere Wirkung gewiss erzielt, stellte man an beiden Tagen wenigstens auf Home-Schooling um. Es würde keine Stunde ausfallen, die Kinder und Jugendlichen wären sinnvoll beschäftigt. Problem wohl: Die Schulfamilie wäre darauf nicht überall digital vorbereitet. Ganz nebenbei stellen die freien Schultage viele Eltern erneut vor Betreuungsprobleme. Die angekündigte Notbetreuung an den Schulen könnte deshalb zum Regelfall werden, was die Idee der Schulschließung konterkariert.

Markus Söders vorgezogene Weihnachtsferien sind bei genauer Betrachtung ein populistisches Placebo, das auch noch eine trügerische Sicherheit vor Infektionen schafft. Kultusminister Michael Piazolo hat mit seiner Skepsis also recht. Schade nur, dass er nicht den Mumm hatte, das auch klar zu sagen.

Weihnachtsferien starten früher

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