Kommentar zur Wahl in Polen: Und noch ein gespaltenes Land

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Polen wählt und das Ergebnis wirkt vertraut. Noch eine Gesellschaft, die in zwei Lager gespalten ist. Es fehlen Ideen, wie diese Spaltung überwunden werden kann, kommentiert Wolfgang Würth.

Pole Position
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Es war knapp in Polen. Nach hitzigem Wahlkampf setzt sich der neue, alte Präsident Andrzej Duda vor dem fast gleich starken Rafal Trzaskowski durch. Auch ohne Polens Verhältnisse genauer zu kennen: Wahlkampf und Ergebnis wirken aus anderen demokratische Staaten vertraut: Zwei Lager stehen sich gegenüber. Unversöhnlich, unvereinbar.Es geht "modern" gegen "traditionell", "Stadt" gegen "Land", in Polen auch "Ost" gegen "West". Die westlichen Landesteile mit den großen Städten haben allesamt für Warschaus liberalen Bürgermeister gestimmt, Duda punktet im ländlichen Osten.Auch Donald Trump wird im November die US-Wahl in den Metropolen klar verlieren, dafür im mittleren Westen Stimmen holen. Und auch Deutschland ist von diesem Gegensatz geprägt, "modern und urban" gegen "ländlich und abgehängt".Soll die Trennung überwunden werden, müssen sich beide Seiten bewegen - auch die "Modernen". Sie müssen akzeptieren, dass die "Traditionellen" das Recht haben, nach eigenen Vorstellungen zu leben: mit vermeintlich veralteten Familienmodellen, mit zu großen Autos oder zu viel Fleisch auf dem Tisch. Oft genug scheint es, als reiche es den "Modernen", sich moralisch überlegen zu fühlen. Solange das nicht anders wird, bleibt die Spaltung erhalten.

Duda gewinnt Präsidentenwahl in Polen

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Franz Wölfl

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