14.03.2021 - 17:07 Uhr
KümmersbruckDeutschland & Welt

Einsatz der Bundeswehr: Von Kümmersbruck nach Afghanistan

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Corona verdrängt viele Themen aus den Schlagzeilen, auch den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. 117 Soldaten aus Kümmersbruck verlegen derzeit an den Hindukusch. Und natürlich spielt auch dort Corona eine Rolle.

Zwei Drittel der Soldaten, die jetzt verlegen, haben Einsatzerfahrung in Afghanistan. Bei den Aufträgen handelt es sich um klassische Logistikaufgaben: Versorgung, Transport und Instandsetzung für das 20. deutsche Einsatzkontingent.
von Hans BernreutherProfil

Die Auftragsbücher des Kümmersbrucker Logistikbataillons 472 sind für 2021 gut gefüllt. Bereits seit Ende 2020 ist der Verband mit der Hilfe in der Corona-Pandemie gefordert. Im Laufe dieses Monats übernehmen die Logistiker nun zusätzlich für die Mission "Resolute Support" in Afghanistan eine nicht ungefährliche Aufgabe. Von der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne aus koordiniert der Kommandeur, Oberstleutnant Sebastian Erbe, die Verlegung, die längst voll im Gange ist.

"Für mein Bataillon herrscht bei der Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus zurzeit ein hoher Bindungsgrad. Wir sind in 23 Amtshilfeanträge eingebunden. Für diese Aufgaben stehen 210 Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung, momentan sind 126 eingesetzt. Ich denke, dass dieser Einsatz mindestens noch bis Mitte 2021 andauern wird", erklärt der Kommandeur.

Neben dem eher ungewohnten Corona-Einsatz ist in Afghanistan die Kernkompetenz der Logistiker aus Kümmersbruck gefragt. Dabei ist die Verlegung an den Hindukusch noch gar nicht endgültig beschlossen. Das Mandat der Bundeswehr endet am 31. März 2021. Die Bundesregierung hat sich aber per Kabinettsbeschluss vom 24. Februar für den Verbleib ausgesprochen. Das letzte Wort zur Mandatsverlängerung bis 31. Januar 2022 hat aber der Bundestag. Oberstleutnant Erbe rechnet mit einer positiven Entscheidung: "Die Masse der Soldaten ist schon auf dem Weg nach Afghanistan. 117 Soldaten aus meinem Verband sind vorgesehen, 29 davon sind in Deutschland in Bereitschaft. Dazu zähle auch ich."

Viele Soldaten mit Erfahrung

Er war als Ausbilder (Mentor) bereits vor Ort. Die Einsatzdauer beträgt vier Monate. Zwei Drittel der Soldaten, die jetzt verlegen, haben Einsatzerfahrung in Afghanistan. Bei den Aufträgen handelt es sich um klassische Logistikaufgaben: Versorgung, Transport und Instandsetzung für das 20. deutsche Einsatzkontingent. "Meine Kräfte sind an zwei Standorten stationiert. Sowohl in der Landeshauptstadt Kabul, im Hauptquartier der Mission "Resolute Support" als auch in der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif im Camp Marmal", sagte Erbe. In diesem Feldlager seien knapp 1000 deutsche Soldaten tätig, in Kabul etwa 100. Camp Marmal beherberge neben den deutschen Streitkräften 15 weitere Nationen.

"Als Hauptpartner für uns könnte man die Niederländer bezeichnen. Sie helfen uns im Rahmen der Force Protection. Nicht zu vergessen die Amerikaner, die für uns bestimmte Fähigkeiten bereitstellen", so Erbe. Die Sicherheitslage sei regional sehr unterschiedlich. In den urbanen Zentren, in denen 60 Prozent der Menschen leben, seien mehr Sicherheitskräfte stationiert, die Lage grundsätzlich kontrollierbar. "Dennoch muss man sagen, dass die sicherheitsrelevanten Zwischenfälle auf hohem Niveau sind."

Taliban und IS nähmen die afghanischen Sicherheitskräfte ins Visier, westliche Streitkräfte sind derzeit nicht ihr Ziel. Dies könnte sich ändern, wenn die Amerikaner den für 1. Mai 2021 angekündigten Truppenabzug nicht einhalten. Drohungen der Taliban lägen bereits vor. Auch die Bundesregierung warnt vor steigenden Gefahren für deutsche Soldaten.

Impfung für Soldaten

Seine Soldaten verfolgen die Entwicklung mit großem Interesse, die Sicherheitslage bereite ihnen durchaus Sorge, sagt Erbe. Wie ein Sprecher des Presseinformationszentrums der Bundeswehr mitteilte, könnten bei einer Zuspitzung der Bedrohungslage sofort verfügbare Unterstützungskräfte aus Deutschland verlegt werden. Die afghanische Regierung möchte die multinationalen Kräfte weiterhin im Land behalten, weil es ihre Position bei den Verhandlungen mit den Taliban stärken würde, so Erbe.

Auch Corona spielt bei dem Auslandseinsatz eine Rolle. Momentan befinden sich vom Kümmersbrucker Logistikbataillon 35 Soldaten in isolierter Unterbringung in zwei Hotels, in Bonn und Hannover. Von dort geht es per Luftwaffen-Airbus nach Masar-i-Scharif. Noch in Deutschland erhalten sie die erste Impfung. In Afghanistan wird das Einhalten der Schutzvorkehrungen streng kontrolliert. Ein striktes Abstandsgebot, Tragen von Masken, bauliche Trennung an Arbeitsplätzen oder Sport nur im Freien sollen Infektionen vom Lager fern halten.

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Hintergrund:

Bundeswehreinsatz in Afghanistan: Mission und Camp

  • Seit fast 20 Jahren ist die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz. Zunächst als Teil der ISAF-Truppen. Aus der Friedensmission wurde ein Kriegseinsatz bei dem 59 Bundeswehrsoldaten ihr Leben verloren.
  • Seit 1. Januar 2015 beteiligt sich die Bundeswehr an der Nato-geführten Mission „Resolute Support“. Schwerpunkte sind Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Die Mandatsobergrenze liegt bei 1300 Soldaten.
  • Das Camp Marmal ist mit drei Quadratkilometern das größte Feldlager der Bundeswehr im Ausland. Es liegt bei Masar-i-Scharif und schließt den militärischen Teil des Regionalflughafens ein.

 

 

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