02.08.2019 - 17:58 Uhr
KulmainDeutschland & Welt

Alois Müller, ein Lichtblick für Kulmain

Hinsetzen, die Beine hochlegen, nichts tun. Undenkbar für Alois Müller. Keine halbe Stunde hielte er das aus. Nur gut, dass er nie in diese Verlegenheit kommt. Wenn gerade nichts zu Hause zu tun ist, hilft er eben anderen. Vielen anderen.

Marga Hecht hat Alois Müller als „Lichtblick“ vorgeschlagen, dabei hat sie dasselbe Helfer-Gen wie er.
von Gabi EichlProfil

Der 70-jährige Rentner weiß nichts davon, dass seine Lebensgefährtin Marga Hecht ihn als „Lichtblick“ vorgeschlagen hat, bis der Anruf der Oberpfalz-Medien ihn erreicht. Für Marga Hecht, die relativ kurz hintereinander ihre Tochter bei einem Verkehrsunfall und dann ihren schwerkranken Mann verloren hat, ist Müller ein Lichtblick. Aber nicht nur für sie. Müller hat in ganz Kulmain „Kundschaft“; Menschen, die ungeniert anrufen, wenn sie Hilfe brauchen, weil sie wissen, dass der Alois nur in sehr seltenen Fällen Nein sagt. Marga Hecht hat dasselbe Helfer-Gen in sich, da haben sich ganz offensichtlich Zwei vom selben Schlag gesucht und gefunden. Wie bestellt klingelt während des Gesprächs das Telefon, eine alte Dame ist am Apparat: „Marga, ich möcht´ dich um was bitten…“ Marga ist ganz Ohr und verspricht zu helfen.

Am liebsten sind beiden Hilfsdienste, die mit Blumen oder Garten zu tun haben. Beide haben liebevoll gepflegte Gärten, denen man ansieht, dass sich da jemand intensiv mit allem beschäftigt, was dort wächst. Und weil sie möchten, dass es auch bei anderen Menschen, die sich selbst nicht mehr so gut helfen können, gepflegt aussieht, kümmern sie sich zum Beispiel um 18 fremde Gräber. An heißen Tagen vergeht gut und gern eine Stunde, bis alle 18 Gräber versorgt sind, denn auf dem Kulmainer Friedhof sind die Grabanlagen fast alle üppig bepflanzt und brauchen entsprechende Zuwendung. Marga Hecht füllt die Gießkannen und Alois Müller läuft eine Stunde lang von Grab zu Grab. Im extrem heißen Juni heuer jeden Tag.

Nach dem Gießen werden verwelkte Blätter ausgezupft, Unkraut ausgerupft, und wenn erforderlich, dann organisiert Alois Müller auch schon mal Randsteine und fasst ein verwahrlostes Grab neu. „Das kann man ja so nicht gehen lassen“, sagt er, als sei das eine Selbstverständlichkeit.

Dieses Grab war vollkommen verwahrlost, die Angehörigen weit fort; Alois Müller hat es neu eingefasst. Es ist eines von 18 Gräbern, um die er sich kümmert.

Auch die Gemeinde und die Kirche wissen Müllers und Hechts Tatkraft zu schätzen. Das Kriegerdenkmal bepflanzen und pflegen die beiden ebenso, wie sie sich um die Wallfahrtskirche Armesberg kümmern, wenn dort zum Beispiel eine Trauung stattfindet. Alois Müller steigt jede Woche auf eine hohe Leiter, um Spinnweben über den Altären wegzufegen, Marga Hecht kümmert sich mit anderen Frauen um den Blumenschmuck.

Müller mäht anderer Leute Rasen, schippt im Winter Einfahrten frei. Alles für ein Dankeschön oder „vielleicht amal a Flascherl Wein“. Dass so einer nicht rostet, versteht sich von selbst. Wenn Alois Müller aufzählt, was er den ganzen Tag treibt, mag man nicht glauben, einen 70-Jährigen vor sich zu haben. Die viele Arbeit hält ihn nicht nur auf Trab, sondern auch körperlich fit. Da legt der langjährige aktive Fußballer des SV Kulmain auch Wert darauf. Bis er 50 war, hat er noch Fußball gespielt. Dass er „seinem“ SV auch den Rasen mäht und vieles mehr, ist für ihn keine Frage. Am liebsten würde er heute noch die Alten Herren aufmischen.

Gartenarbeit ist für Alois Müller keine Arbeit; er gehört zu den Menschen mit dem berühmten grünen Daumen, kennt sich aus, wie was wann geschnitten werden muss und stellt sein Wissen gern anderen zur Verfügung.
Zur Person:

Der 70-jährige Alois Müller ist einer jener Männer, die mehr oder weniger alles können. Der versierte Facharbeiter stand 41 Jahre lang in Diensten der Immenreuther Baufirma Tretter, bis er vor sieben Jahren nach einem Sturz von einem Bagger in den Ruhestand ging. Das Wort Ruhestand könnte jedoch absurder nicht klingen, wenn Alois Müller beschreibt, was er so in einer ganz normalen Woche erledigt - vor allem für andere. Den „Alois“ kennt man in Kulmain, den kann man anrufen, wenn man plötzlich nicht mehr weiter weiß mit dem Fundament für die neue Terrasse oder wenn man als alleinstehende ältere Dame das Rasenmähen nicht mehr schafft oder das Gießen und Pflegen des Grabes. Alois Müller sagt fast nie Nein.

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