Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) braucht einen Moment für die Antwort. Gerade ist er gefragt worden, ob er überrascht gewesen sei über die massive Kritik von Eltern-, Lehrer- und Schülerverbänden am fast landesweiten Start des Wechselunterrichts für die Abschlussklassen an Gymnasien und den Fach- und Berufsoberschulen am Montag. Nach einem kleinen Seufzer flüchtet sich Piazolo in Ironie: "Ich war überrascht von der Begeisterung über den Distanzunterricht!" In den Wochen zuvor habe sich das ganz anders angehört.
Pünktlich zur der von vielen heiß ersehnten Rückkehr der ersten Schüler in den Präsenzunterricht war ja am Montag ein Protestwelle über den Minister hereingebrochen. Kurz zusammengefasst hieß es in den Verbandsschreiben, man könne doch Schüler und Lehrer bei weiter hohen Infektionszahlen und angesichts der unklaren Lage mit den Corona-Mutanten nicht als "Versuchskaninchen" in die Schulen schicken. Wo doch der Distanzunterricht zuletzt prima geklappt habe und es nun wegen der zweigleisigen Beschulung in Wechsel- und Distanzunterricht für die Lehrkräfte eine kaum zu schulternde Mehrbelastung gebe.
Piazolo stellt das auf der Pressekonferenz nach der Ministerratssitzung am Dienstag alles gar nicht in Abrede. Er kommt aber schulterzuckend zu der Erkenntnis: "Wir werden es nicht allen recht machen können." Dann zählt er auf, dass ihn aus Real- und Mittelschulen viele Zuschriften erreichten, die nachfragten, wann auch dort endlich wieder Unterricht in der Schule Unterricht stattfinde. Er erinnert daran, dass der Wechselunterricht nach dem ersten Lockdown sehr geschätzt worden sei, dass der Distanzunterricht kürzlich noch den Stempel einer "Notlösung" getragen habe und dass der allgemeine Druck zur Rückkehr in die Schulen groß gewesen sei. Für ihn gelte: "Jeder Tag Präsenzunterricht zählt!" Unter Wahrung des Gesundheitsschutzes, ergänzt Piazolo noch.
Er verstehe die Bedenken, wenn es heiße, die mutierten Viren seien bei Kindern und Jugendlichen eventuell infektiöser. Aber man habe für den Unterricht an den Schulen "weitgehende Sicherheitsvorkehrungen" getroffen. Weil täglich nur ein Sechzehntel der üblichen Schülerzahl an den Gymnasien sei, gebe es weder in Klassenräumen, noch im Schulgebäude oder in Bussen und Bahnen Überfüllung. Für die Lehrkräfte stünden ausreichend FFP2-Masken zur Verfügung. Insgesamt hätten nun weniger Schüler Präsenzunterricht als derzeit in der Notbetreuung an Schulen seien. Und im Dezember seien breit unterstützt bei rund doppelt so hoher Inzidenz mehr als 90 Prozent der Schüler an den Schulen gewesen. Das nur zur Einordnung der Lage.
Wie es nach dem Ende des aktuellen Lockdowns am 15. Februar an den Schulen weitergehen wird, weiß Piazolo noch nicht. Er verstehe den Wunsch nach klaren Plänen und Szenarien, aber die Dynamik der Pandemie lasse langfristige Perspektiven nicht zu. Er hoffe auf weitere Öffnungsschritte in zwei Wochen, die Priorität läge dann eindeutig bei den Grund- und Förderschulen. "Die Erstklässler waren dann fast die Hälfte ihrer bisherigen Schulzeit nicht an der Schule", rechnet Piazolo vor. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Unter- und Mittelstufler wohl weiter Distanzunterricht haben werden. Die Entscheidung darüber werde im Laufe der kommenden Woche fallen, kündigt Piazolo an. Dann soll es auch ein Konzept für Corona-Tests an Schulen geben.
Offen ist zudem noch, wann die Kitas zum Regelbetrieb zurückkehren können. "Es ist zu früh, konkrete Versprechungen zu machen", bittet Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) um Geduld. Leider stagniere der Rückgang bei der Zahl der Corona-Neuinfektionen derzeit, mit einer landesweiten Inzidenz von zuletzt konstant gut 90 sei man noch "weit weg" von der Zielmarke 50. Als "besorgniserregend" nennt es Herrmann, dass die Infektionszahlen in einigen grenznahen Regionen Oberfrankens und der Oberpfalz wieder stark nach oben gingen. Blieben die Werte auf aktuellem Niveau, werde es schwierig mit weiteren Öffnungen, meint Herrmann. "Das Geschehen ist nach wie vor hoch dynamisch, daher gibt es keine Grund zu entwarnen."













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