17.10.2019 - 16:05 Uhr
LappersdorfDeutschland & Welt

Verkaufsschlager Oberpfalz

Mit gerade mal 2,5 Stellen versucht der Oberpfalz Marketing e. V. seit 2002 die Region ins rechte Licht zu rücken. Durch die Verdoppelung der Mitgliedsbeiträge soll das künftig noch besser gelingen.

Vorstände und Mitglieder des Oberpfalz Marketing: (von links) Thomas Ebeling (Landrat Schwandorf), Tanja Schweiger (Landrätin Regensburg), Handwerkskammer-Präsident Georg Haber, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Regierungspräsident Axel Bartelt, Richard Reisinger (Landrat Amberg-Sulzbach), Professor Andrea Klug (Präsidentin der OTH Amberg-Weiden), Werner Heß (Sparkasse Schwandorf) und Geschäftsführer Christoph Aschenbrenner.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Unstrittig war das Projekt doppelter Beitrag nicht. Als Geschäftsführer Christoph Aschenbrenner das Anliegen der Oberpfalz-Vermarkter Ende vergangenen Jahres in Tirschenreuth vorstellte, war man dort nicht begeistert: Viele Nordlichter fühlen sich im stark auf das Internet zugeschnittenen Konzept der Regensburger unterrepräsentiert. Mitterteichs Rathauschef Roland Grillmeier (CSU) forderte etwa, dass vor der Mittelerhöhung definiert werden müsse, wie man mit der internen Konkurrenzsituation umgehen wolle: "Derzeit ziehen viele unserer Leute nach Regensburg."

Allerdings war da auch noch von der Vervierfachung der Beiträge die Rede: Statt rund 8700 hätte der Landkreis ab 2020 knapp 35 000 Euro berappen müssen. Die "Bescheidung" auf die Hälfte und die Überzeugungsarbeit der Vorstände haben gefruchtet. Schließlich sitzt mit Andrea Klug, Präsidentin der OTH Amberg-Weiden eine Vertreterin des Nordens in der Chefetage des Vereins.

Einsatz für Zoiglkultur

Und Vorsitzender Franz Löffler aus dem Bayerwald ist für seinen Einsatz für Karpfen- und Zoiglkultur oder das CeBB genauso bekannt, wie Handwerkspräsident Georg Haber für seine Wertschätzung der Nordoberpfälzer Handwerkskompetenz. Das Resultat: "Die sieben Landkreise und drei kreisfreien Städte der Oberpfalz zahlen künftig 24 Cent pro Einwohner und verdoppeln damit ihren Beitrag", freut sich Löffler.

Für den Regensburger Restaurator Georg Haber das richtige Signal: "Es grenzt an die Quadratur des Kreises, die Vielfalt unserer Region immer nur durch zeitlich begrenzte, Fördermittel abhängige Projekte darzustellen." Die Aufstockung der Mittel garantiere mehr Planungssicherheit. Und zu planen gebe es genug, seit sich die Oberpfalz vom bettelnden Zonenrandgebiet zum selbstbewussten Verkaufsschlager entwickelt hat: "Wir hatten 1987 in Bad Kötzting eine Winterarbeitslosigkeit von 47 Prozent, im Sommer von 17 Prozent," freut sich Löffler über den Erfolg am Arbeitsmarkt, "heute haben wir im Winter 2, im Sommer 1,6 Prozent."

Die Oberpfalz müsse sich auch nicht hinter Bilderbuchlandschaften Oberbayerns verstecken: "Den Berg mit 3000 Metern haben wir nicht", gibt Löffler zu, "den Alpensee haben wir und brauchen wir auch nicht, aber wir haben außer 1000 Teiche, dem Oberpfälzer Wald, das Schwandorfer Seenland innovative Menschen und Firmen, die auch auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind." Die Grenzöffnung vor 30 Jahren bezeichnet Löffler als "größtes Wirtschaftsförderprojekt aller Zeiten".

Abgehängt von Asien

Dennoch, die wirtschaftlichen Vorzeichen stehen auf Abschwung: "Wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen." Die Risiken für die Automobilindustrie seien nicht ohne: "Den Transformationsprozess zur E-Mobilität müssen wir mitgestalten." Sonst gehe es Deutschlands wichtigster Branche eines Tages so: "Wenn Sie heute zum K+B gehen, finden Sie dort keinen deutschen Fernseher."

Die Entwicklung von der krisenanfälligen Monokultur zum Mehr-Säulen-Prinzip habe man mit Bildung, Förderung und Qualifizierung politisch gesteuert: "Wir sind so stark, weil wir vielschichtig sind", erklärt der Chamer Landrat, "früher hatten wir Porzellan und Glas, heute sind wir auch in Dienstleistung, innovativer Industrie und Tourismus wettbewerbsfähig." Das gebe Hoffnung, die bevorstehende Wirtschaftsdelle gut zu überstehen.

Die harten Fakten stimmten, die Oberpfälzer fühlten sich wohl zu Hause, die Abwanderung sei gestoppt. Jetzt müsse man im Wettbewerb mit anderen Regionen um dringend benötigte Fachkräfte nur noch den Rest Europas davon überzeugen, dass es sich hier bestens leben und arbeiten lässt. Mit einem Oberpfalztag am Campus der OTH Amberg will der Verein die Vielseitigkeit der Region zwischen Regensburg und Waldsassen, Auerbach und Bärnau zelebrieren: Ein animiertes Video soll Lust machen auf High-Tech mit Tradition, Tiefgang und Unterhaltung.

2021 in Amberg:

Erster Oberpfalztag am Campus der OTH

Das Oberpfalz Marketing plant 2021 den ersten Oberpfalztag am Campus der OTH Amberg. Für die Stiftung „Regionaler Identität“ vergibt das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat Fördergelder. „Da würde unser Oberpfalztag gut hineinpassen“, erklärt Christoph Aschenbrenner. Zur Planung und Umsetzung des Oberpfalztags will der Verein deshalb Gelder aus diesem Topf beantragen.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.