Deutschland und die Welt
28.07.2020 - 07:50 Uhr

Lehrerverband befürchtet "Durcheinander" im neuen Schuljahr

Nach den Sommerferien sollen die Schulen wieder weitestgehend im Regelbetrieb starten, fordern Politiker. Für den Lehrerverband ist das mit einer gewaltigen Herausforderung verbunden. Man sei derzeit nicht ausreichend vorbereitet.

Regelbetrieb nach den Sommerferien? Der Lehrerverband hat da seine Zweifel. Bild: Frank Molter/dpa
Regelbetrieb nach den Sommerferien? Der Lehrerverband hat da seine Zweifel.

Berlin. An den Schulen droht nach den Sommerferien nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbandes ein "großes Durcheinander". Das sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Er befürchte zudem "eine weitere Phase von Unsicherheit und Reibungsverlusten im Schulbetrieb". Die Politik dränge auf den Vollbetrieb der Schulen, ohne darauf oder auch auf eine etwaige Fortführung des Distanzunterrichts ausreichend vorbereitet zu sein. "Es wird zwar von den Landesregierungen beteuert, dass sie auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sind, aber das stimmt nicht", sagte der Verbandspräsident.

Baden-Württemberg geht an diesem Donnerstag als letztes Bundesland in die Sommerferien, während in Mecklenburg-Vorpommern am nächsten Montag bereits das neue Schuljahr beginnt. Mehrere andere Bundesländer starten kurze Zeit später. Die Kultusminister der Länder hatten vor dem Sommer vereinbart, im neuen Schuljahr wieder den Regelbetrieb an den Schulen aufzunehmen und dabei auch auf die Abstandsregel zu verzichten – mit der Einschränkung: "sofern es das Infektionsgeschehen zulässt". Mitte Juli hatten sie dafür ein neues Hygiene-Rahmenkonzept vorgelegt.

20 Prozent der Lehrer in Risikogruppen

Meidinger bemängelte, für einen Vollbetrieb ohne Abstandsregeln fehlten die Lehrkräfte. Bildungsgewerkschaften schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Lehrer zur Risikogruppe gehören und für den Präsenzunterricht ausfallen könnten. Auch die Hygieneregeln der Kultusminister der Länder für die Schulen werden als wenig praktikabel kritisiert, beispielsweise die Vorgabe, regelmäßig "intensiv" stoßzulüften.

"An vielen Schulen lassen sich die Fenster in höher gelegenen Klassenräumen aus Sicherheitsgründen nicht oder nur einen Spalt öffnen", sagte Meidinger. Zudem sei die Idee fester Lerngruppen vielleicht an Grundschulen umsetzbar, aber kaum an einer gymnasialen Oberstufe mit Kurssystem, wo die Schüler ständig mit anderen Mitschülern zusammen seien.

Regensburg24.07.2020
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