26.06.2018 - 21:27 Uhr
Deutschland & Welt

"Lifeline" gibt die Linie vor

Die Lage des Flüchtlingsschiffs "Lifeline" war verzweifelt. Mehrere EU-Staaten und die Berliner Landesregierung bieten nun ihre Hilfe an. Und zeigen den Lösungsweg für die Asylproblematik auf. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier.

Gerettete Flüchtlinge warten an Bord der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline auf einen Hafen, den sie anlaufen dürfen. Bis dahin hat sich bisher kein Land bereit erklärt, dem Rettungsschiff einen Hafen zu öffnen. Bild: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Der richtige Fingerzeig kommt aus Berlin. Leider aber nicht von der Bundesregierung. Im Drama um das vor Malta liegende Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Mission Lifeline" hat sich die Berliner Landesregierung bereiterklärt, einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen. Auch weitere Staaten haben zugesagt, dies zu tun oder die jeweiligen Asylanträge zu bearbeiten.

Was bei 230 Migranten nun scheinbar gemeinsam funktioniert, ist auch der einzige logische Ansatz für die vielfache Menge. Die Verteilung der Asylbewerber nach Quoten auf die Mitgliedsstaaten ist unumgänglich. Dazu muss das Dublin-Abkommen zwingend dahingehend erneuert und auf eine breite Basis gestellt werden.

Eine EU-Asylagentur, die die Verteilung regelt - inklusive Zuschüsse für die Aufnahmestaaten und Strafen für die (Visegrád-)Verweigerer - klingt angesichts des Widerstands noch utopisch. Doch damit kann die Europäische Union hausgemachte Probleme lösen. Der EU-Skepsis der als Ankunftsstaaten im Stich gelassenen Mittelmeeranrainer oder dem kontinentweit wachsenden Radikalismus etwa wird so einiges an Nährboden entzogen.

Hier ist Deutschland als treibende Kraft gefragt, effektiv das Übel, statt nur die Symptome zu bekämpfen. Berlin kann die Initiative ergreifen. Im Kleinen hat es das heute wieder gezeigt.

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