20.09.2018 - 13:05 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Maaßen-Affäre lässt politisch nur Verlierer zurück

Horst Seehofer hat im Hickhack um Hans-Georg Maaßen scheinbar das letzte Wort. Doch gleichzeitig legt er seiner CSU ein faules Ei ins Nest, meint Tobias Schwarzmeier in seinem Kommentar.

Mit der Beförderung von Hans-Georg Maaßen hat Horst Seehofer den Groko-Parteien im bayerischen Landtagswahlkampf ein faules Ei ins Nest gelegt.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Auf den Internet-Plattformen - und nicht nur da - gehen die Emotionen hoch. Spott und Unverständnis prasseln auf die Bundesregierung hernieder, die den nicht mehr haltbaren Geheimdienstchef Hans-Georg Maaßen statt zu entlassen zum Staatssekretär befördert. Sätze wie "Noch zwei Fehltritte und er ist Bundeskanzler" sind da noch harmlos.

Es sind viele sarkastische Reaktionen auf eine unsägliche Entscheidung, die der breiten Öffentlichkeit nicht vermittelbar ist und ihr sauer aufstößt. Denn sie widerspricht dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden. Die Botschaft: Jeder, der sich in seinem Job solche Entgleisungen leistet, wird abgestraft - nur nicht in der Politik. Im unbedingten Willen, die Groko-Zweckehe nicht zerbrechen zu lassen, verbiegen sich CDU und SPD unter den kritischen Augen der Wähler erneut vor dem Nicht-Teamspieler Horst Seehofer. Wieder kann die Koalition offenbar ein Problem nicht gemeinsam und ohne extreme Reibungsverluste lösen. Wieder verliert sie an Vertrauen.

Die schweigsame Kanzlerin wirkt noch etwas machtloser. Die SPD kann letztlich kaum für sich verbuchen, Maaßen aus dem Amt entfernt zu haben. Mit dem eigenen Genossen, der seinen Platz für ihn räumen muss, hat die Affäre für SPD-Chefin Andrea Nahles intern ein unangenehmes Nachspiel.

Aber auch Seehofer sollte sich nicht als Sieger fühlen: Denn Wähler trennen nicht zwischen Bundes- und Landespolitik. Und so hat er mit seinem "Maaßen-Kuhhandel" im Landtagswahlkampf ebenso der SPD wie seinen eigenen Parteifreunden ein faules Ei ins Nest gelegt.

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Kommentare

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A. Schmigoner

Ein sehr gelungener Kommentar! Bleibt zu erwähnen, dass für Maaßen, der in kleinen Runden die Kanzlerin gerne als "diese Frau" bezeichnet, der allseits als Experte für den Wohnungsbau geschätzte Staatssekretät Adler gehen musste. Der einzige Bauexperte im Ministerium muss in den vorzeitigen Ruhestand und das wenige Tage vor dem "Wohnungsbaugipfel" der Bundesregierung. Seehofer waren seine Machtspielchen wieder einmal wichtiger, als die Lösung der vorhandenen Probleme unserer Gesellschaft.

22.09.2018