17.01.2020 - 20:08 Uhr
MähringDeutschland & Welt

Iraner in Mähring: Mesner, Maurer, Faschingsprinz

Kamran Goorkany ist in Mähring bestens integriert: Der Iraner ist Mesner in der Kirche, absolviert eine Maurer-Lehre - und er ist der Faschingsprinz seines neuen Heimatorts.

Selfie mit dem Chef: Kamran Goorkany (links) mit Stefan Bäuml von der gleichnamigen Baufirma. Die Maurerausbildung hat der Iraner problemlos bestanden – kein Wunder, der Mann hat ein abgeschlossenes Ingenieursstudium.
von Konrad RosnerProfil

Angekommen: Kamran Goorkany fühlt sich wohl an der tschechischen Grenze, hat in Mähring viele Freundschaften geschlossen. Wie gut es ihm im Landkreis Tirschenreuth gefällt? "Passt scho", antwortet er. Kann es denn eine noch oberpfälzischere Antwort geben?

Der 31-Jährige wurde 1989 im Iran geboren, lebte im Süden rund 800 Kilometer von der Hauptstadt Teheran entfernt. Dort hatte der Muslim Freunde, die Christen waren. Die Religion weckte sein Interesse und seine Begeisterung. Allerdings musste er wegen seines Glaubens auch das muslimische Land verlassen. Den Kontakt zu seinen Eltern und sechs Geschwistern im Iran hält er aber weiterhin.

Mit einem flotten Wiener Walzer eröffneten Anja I. und Kamran I. die Prunksitzung der Faschingsgesellschaft „Rosamunde“ Mähring.

Zuerst in Nürnberg

Als Asylbewerber kam Goorkany nach Nürnberg, blieb dort rund drei Monate, ehe er im März 2016 nach Mähring umzog. Noch in Nürnberg ließ er sich katholisch taufen. In Mähring besuchte er anfangs fast jeden Tag den Gottesdienst. Als ihn Rosa Schöner von der Pfarrei fragte, ob er nicht Mesner werden will, sagt Goorkany sofort zu. Später empfing er in Tirschenreuth die heilige Kommunion, Weihbischof Reinhard Pappenberger spendete die Firmung.

Goorkany hat im Iran ein Studium zum Bauingenieur abgeschlossen, das in Deutschland anerkannt ist. Trotzdem begann er eine Ausbildung zum Maurer. "Ich wollte auch die Praxis kennenlernen", sagt er dazu. Bei der Firma Bäuml-Bau im Mähringer Ortsteil Dippersreuth ist er nicht nur auf den Baustellen unterwegs, sondern sitzt auch im Büro. Mittlerweile beherrscht Goorkany auch die deutsche Schrift.

Das meiste habe er sich selbst angeeignet - mit Hilfe einer App auf dem Handy. "Es waren 300 bis 400 Lektionen, ich habe sieben bis acht Stunden am Tag gelernt." Als Asylbewerber hatte er Zeit dafür. Ein wenig Stiftländer Dialekt beherrscht der 31-Jährige inzwischen auch. "Die Mähringer können ja kein Hochdeutsch", sagt er.

Ende vergangener Woche absolvierte der 31-Jährige die theoretische Gesellenprüfung, am Dienstag die praktische. "Das war schon super, das hat funktioniert", sagte er kurz danach.

Richtiger Mähringer

Die Sprachbarriere ist überwunden. Goorkany fühlt sich heimisch in Mähring, hat einen Arbeitsplatz und Freunde gefunden. Er fühle sich als richtiger Mähringer. Und die "Eingeborenen" sehen das auch so. Als der Mähringer Faschingsverein "Rosamunde" einen Prinzen für die neue Session suchte, fragte Vorsitzender Marcus Kilian gleich bei Goorkany an. Und der sagte natürlich zu. Er wollte sich nur bei seiner "Freindin" Anja Hoffmann erkundigen, ob sie Faschingsprinzessin machen wolle. Mit der 22-jährigen Einzelhandelskauffrau ist der Iraner seit zwei Jahren zusammen. Auch sie sagte "ja" zur Faschingsgaudi. "So war des", resümiert Goorkany. Die kommenden sechs Wochen will das Prinzenpaar genießen.

Beim Deutschlernen hat die Technik geholfen. Die Integration wäre aber ohne die aufgeschlossenen Mähringer nicht so schnell gelungen. Goorkany ist dankbar für ihr Engagement - vor allem Rosa Schöner, Bürgermeister Franz Schöner und den Bäuml-Bau-Kollegen.

Anja I. und Kamran I, das diesjährige Mährigner Prinzenpaar mit Landrat Wolfgang Lippert beim Empfang der Faschingsprinzenpaare im Landratsamt.
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