09.07.2019 - 18:25 Uhr
MähringDeutschland & Welt

Lehrermangel an Oberpfälzer Grundschulen

Grundschullehrer sind Mangelware. Scheinbar betrifft das Problem die Oberpfalz stärker als etwa den Bezirk Oberbayern, wie das Beispiel der Grundschule Mähring zeigt.

Leere statt Lehre. In Oberpfälzer Grundschulen fällt häufig der Unterricht aus oder es gibt nur Vertretung.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die kleine Grundschule Mähring (Landkreis Tirschenreuth) steht beispielhaft für ein großes Thema: Über 4000 Internet-Nutzer unterstützen die Online-Petition des Elternbeirats "Stoppt den Lehrermangel in der Oberpfalz" auf openpetition.de. In den Kommentaren schreiben Eltern und Lehrer von anderen Oberpfälzer Grundschulen: Überall fehlen Lehrer.

Auslöser der Petition ist die Ankündigung des Schulamts, im kommenden Schuljahr nur mehr drei Lehrer nach Mähring zu schicken. Die zweite Klasse soll nach den Ferien in zwei Kombiklassen geteilt werden: 2/3 und 3/4, dazu wird es eine erste Klasse geben, erklärt Elternbeirat Franziska Schmid. Drei ihrer vier Kinder besuchen die Grundschule. Sie haben Erfahrung mit Kombi-Klassen gesammelt, gar keine schlechten. "Diesmal geht es aber nicht darum, dass wir zu wenig Kinder haben, es sind zu wenig Lehrer", sagt Schmid.

Reine Sparmaßnahme

Die geplanten Kombi-Klassen seien eine reine Sparmaßnahme. Schmid berichtet von vielen Zuschriften mit ähnlichen Beispielen. Und es melden sich junge Oberpfälzer Lehrer, die in Oberbayern unterrichten. "Eine hat uns geschrieben, dass sie einem Klassenlehrer zugeordnet ist", berichtet Schmid. Nur wenn dieser verhindert ist, übernehme die Oberpfälzerin die Klassenbetreuung. "Und wir haben nicht einmal für jede Klasse einen Lehrer."

Tirschenreuths Schulrat Rudolf Kunz kennt die Kritik und er kann sie verstehen. "Es ist gut, dass sich die Eltern um den Unterricht sorgen." Tatsächlich sei problematisch, dass es insgesamt zu wenig Grundschullehrer gebe. Allerdings erhalte die Oberpfalz seine Lehrer nach dem selben Verteilschlüssel wie die anderen Bezirke. Gut 35 000 Kinder besuchen in 1660 Klassen staatliche Grundschulen in der Oberpfalz. Dafür stehen 2070 Vollzeitlehrereinheiten zur Verfügung. Für die rund 154 800 Schüler in Oberbayern sind es 9130 Vollzeitlehrereinheiten in 7220 Klassen, meldet das Kulturministerium. Eine durchschnittliche Oberpfälzer Klasse besuchen demnach 21,08 Schüler, in Oberbayern sind es 21,40. Auf einen Vollzeitlehrer in der Oberpfalz kommen 16,91 Schüler, in Oberbayern sind es 16,96.

Dass die Zahlen so eng beieinanderliegen, liegt an der Budgetierung. 1,3 Lehrerwochenstunden gibt es pro Kind. Was gerecht klingt, schafft in der Oberpfalz Probleme, erklärt die Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Katja Meidenbauer. In Oberbayern sind Schulen mit mehreren Klassen pro Jahrgang die Regel. In Oberpfälzer Dorfschulen sind Jahrgangsstufen mit 15 und weniger Kindern nicht selten. Das stelle Schulämter vor Probleme. Während an den großen Schulen in Oberbayern Lehrer "übrig bleiben", die für Vertretung oder Zusatzangebote bereit stehen, müssen die kleinen Oberpfälzer Klassen anderswo aufgefangen werden, um den Gesamtschnitt zu halten. "Natürlich würden wir uns über mehr Lehrer freuen, aber die gibt es derzeit nicht", sagt Kraus. Dass die Oberpfälzer Pädagogen zunächst in Oberbayern angestellt werden, sei logisch. "Dort gibt es mehr Kinder, die Schülerzahlen steigen stärker."

Hoher Altersschnitt

Dem stimmt Meidenbauer grundsätzlich zu, zumal die Berufseinsteiger nicht versetzt, sondern in Oberbayern neu angestellt werden. Allerdings sei auffällig, dass zuletzt praktisch kein Oberpfälzer mehr in der Heimat bleiben durfte. Dies werde für die Kollegien zum Problem. "Junge Lehrer tun Schulen gut", sagt Meidenbauer. Wenn kaum Referendare nach dem Abschluss hier bleiben dürfen, wirke sich das auf den Altersschnitt im Lehrerzimmer aus.

Weiden in der Oberpfalz

Wenn es nach dem Oberpfälzer BLLV geht, ist eine andere Verteilung nötig. Und auch das strikte Lehrer-Budget sollte überdacht werden. "Es ist gut, wenn die Politik an Dorfschulen festhält", erklärt die Rektorin der Grundschule in Bechtsrieth (Landkreis Neustadt/WN). Allerdings müsse gewährleistet sein, dass alle Schüler auf dem selben Niveau unterrichtet werden. Es könne nicht sein, dass es für Lehrer in der Oberpfalz normal ist, in den Klassenzimmern die Türe offen zu lassen, um über den Gang eine zweite Klasse zu beaufsichtigen.

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