21.12.2018 - 11:45 Uhr
MähringDeutschland & Welt

Weltkrieg im Wohnzimmer

Wilhelm der II. oder ein Jagd-Doppeldecker als Schmuck am Weihnachtsbaum war in den Jahren 1914 bis 1918 der letzte Schrei. Eine Museumsbesichtigung von Norbert Grüner.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Im Gelebten Museum in Mähring (Landkreis Tirschenreuth) haben die Betreiber der Einrichtung eine sehenswerte Ausstellung zum Thema „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg“ zusammengetragen. Zu sehen sind Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Soldaten, wie Karabiner, Säbel, Granaten, Stahlhelme, Tornister, Feld-Essbestecke, Gasmasken, Stiefel und Pickelhauben. Daneben gibt es viele Feldpostkarten, Sterbebilder, Reservistenbriefe und Fotoalben mit Privatbildern aus dem Soldatenalltag. Wer lange genug überlebte (der Erste Weltkrieg forderte über 17 Millionen Opfer), bekam dafür irgendwann auch einen Orden. Von der Vielzahl dieser Auszeichnungen kann man sich im Museum ebenfalls ein Bild machen.

Es sind vor allem zwei Vitrinen, die den Wahnsinn dieser Zeit widerspiegeln und gerade jetzt in der Adventszeit betroffen machen. Die Unikate darin hat die Familie Damberger aus Ebnath für die Zeit der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darin sind Christbaumschmuck, Kinderspielzeug und religiöse Utensilien, die Familien den Soldaten im Feld zu Weihnachten geschickt haben, präsentiert. Christbaumkugeln mit den Konterfeis von Wilhelm II. oder Graf Zeppelin waren damals der letzte Schrei in den Wohnzimmern der Bourgeoisie.

Schleifen aus Krepp-Papier in den Reichsfarben, Militärfahrzeuge und -flugzeuge oder militärische Pferdegespanne, Planwagen und Glassterne mit aufgelegtem Eisernen Kreuz sind die patriotischen Symbole, die damals die Weihnachtszeit kennzeichnen. Selbst Plätzchendosen erscheinen in patriotischen Dekor. Sie werden mit Bildnissen des Kaiserpaares und der Königspaare der Königreiche Bayern, Württemberg und Sachsen dekoriert. Auch ein geschnitzter Kopf des Reichskanzlers Otto von Bismarck, der als Nussknacker Verwendung fand, ist ausgestellt. Selbst die Blechschachtel für den Rosenkranz fürs Feld ist mit dem Eisernen Kreuz verziert. Die Perlen sind feldgrau, die Farbe der Uniformen.

„Der Sturm auf Lüttich“ als Würfelspiel um die Eroberung der belgischen Festung ist ein besonders rares Stück, da die Herstellung des Spiels an die deutschen Erfolge der ersten Kriegswochen angelehnt ist. Die „Großen der Zeit“ auf Ausmalschablonen für die künstlerische Erziehung der Kinder, Modeln aus Holz zur Herstellung von Spekulatius-Gebäck oder Spielesammlungen und künstliche Christbäumchen für den Einsatz im Schützengraben, erinnern ebenfalls an dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte.

Die Ausstellung:

Die Ausstellung, „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg“ dauert bis Ende März 2019. Zum letzten Mal in diesem Jahr ist die Präsentation am 27. Dezember ab 18 Uhr geöffnet. An dem Tag wird auch der Johanniswein in der Kirche gesegnet, der dann im Museum verkostet werden kann. Öffnungszeiten für 2019 werden noch bekannt gegeben. Führungen für Vereine, Schulklassen und Gruppen sind nach Vereinbarung möglich. Anmeldung bei Franz Schöner (Telefon) 09639-1860 oder 0151-11 67 16 54.

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